Klasse Idee mit diesem Tagebuch. Leider war ich nicht ganz so gewissenhaft beim Niederschreiben meiner Memoiren, dabei ist an mir bestimmt ein großer Schriftsteller verlohren gegangen, Dieter Bohlen durfte ja auf schon die Welt mit seinen Ergüssen aufwerten. ( Zumindest den BILD-Zeitung lesenden Teil )

Trotzdem werde ich einfach mal versuchen, meine eigene Laufbahn ein wenig zu rekapitulieren und so einen hoffentlich unterhaltsamen Betrag in dieser Rubrik betragen. Für jede Art von dazugegebenen Senf halte ich den Bratwurstgrill gerne offen.
Die wichtigsten Eckdaten zu mir, vor ca. 35 Jahren habe ich, nun 48, meine ersten Erfahrungen als Holzwurm an verschiedenen Modellen wie dem kleinen Uhu, Amigo, einem Multiplex Motortrainer, diversen Schiffen (meine perverse Zeit), und einigen Elektrofliegern ausgetobt. Meine Flugkünste und meine Risikofreudigkeit nahmen in gleichem Maße zu, sodas leider wirklich alles Fluggerät über kurz oder lang den Feuertod starb. Wenn ich daran denke, wie leichtfertig ich zu dieser Zeit mit so einigen Klassikern der Zukunft umgegangen bin..... Dank der Balsaholzkonstruktionen gab das immer ein nettes Feuerchen am Platzrand, etwas Sprit war im Tank eigentlich immer über und wenn keine Raucher am Platz waren, half die Glühkerze weiter. Gut, das ich nicht selbst flog, es gibt alte und es gibt mutige Piloten. Die zu dieser Zeit gerade ersten auftauchenden Helibausätze waren für ein Schülergehalt einfach unerschwinglich und, obwohl ich einerseits gierig auf Graupners Bell 47G und Twin Jet 212 schaute, hakte sich das Ganze erstmal von meiner Wunschliste ab.
Ausflüge zu den ein oder anderen Modell-Flugtagen ließen den Heliwunsch noch weiter schrumpfen, solange Flächen in der Luft waren war Aktion, dann kam der Aufruf der Flugleitung: Alle Flächenpiloten bitte landen.....und dann.
30 Minuten Langeweile für die Zuschauer, weil es in der damaligen Kreisellosen Zeit fast immer das höchste der Flugkunst war einen Heli heckschwebend an einer Stelle zu halten, was für großes Kino. Was das für ne Leistung war, kann ich erst heute verstehen, nachdem ich mal dasselbe mit nem 450er probiert habe.

Dann haben Job und andere Interessen meine Aktivitäten immer weiter von der Modellfliegerei abgelenkt, sodas selbst die Flächenfliegerei keine Bedeutung mehr für mich hatte. Im stillen hat der Virus aber anscheinend immer noch weiter gewütet und so für das erste Kapitel dieser Geschichte gesorgt.
1. Der Virus
Vor ca. 7-8 Jahren brachte einer meiner Arbeitskollegen so einen Spielzeugheli aus der Spielezeugecke eines fachlich dafür prädestinierten Lebensmittelmarkt um die Ecke mit und sorgte bei mir, einem "echten" Modellflieger für langhanhaltende Bezeugungen: Spielkram, elektronischer Sondermüll out of the Box und ähnliche Beweise meines "großen" Wissens über ferngesteuerte Luftfahrzeuge. Und trotzdem fraß der Neid ein tiefes Loch in mein vom Besitzerwunsch angenagtes Herz. Mal ehrlich, 2 Kanäle, ne Pistolenfernsteuerung, 2 Minuten Flugzeit, die steuer- und flugeigenschaften einer Backsteinmauer, aber dieses Teil ging irgendwie hoch und runter, drehte sich mal mehr, mal weniger auf der Stelle und ließ die armes Büropflanzen das ein oder andere Blatt verlieren. Aber, mein Ehrgeiz war erwacht, dem würde ich mal zeigen, was ein echter Heli in Verbindung mit einem echten Piloten kann. Viel falscher hätte ich garnicht liegen können, aber halbe Sachen liegen mir nicht, wenn ich was falsches mache, dann aber wenigstens richtig falsch.
Und so fing ich dann an, Modellbaufachgeschäfte, Spielwarenfachmärkte und natürlich die in diesen Tagen noch fast jungfräuliche Bucht zu erforschen, auch das Internet war gerade erst ein von mir entdecktes Medium, und wurde erschüttert in meinem Glauben: Das Ganze müßte doch für 150 Bucks zu wuppen sein. Mehr wollte ich jedenfalls nicht für diesen Versuch investieren. Die Urgesteine dieser Zeit waren Kyosho Caliber M24 399.-, Ikarus Piccolo 350.- bis 400.- Conrad Whisper 299.-......verdammt. Aber dann vielleicht nen Chinaböller? Auch nix, die 400er Fixpitchgröße war nirgends unter 200.- vertreten und wenn, so schlau war ich gerade noch, sollte es ein neuer zumindest sein, damit ich von den hoffentlich richtigen Grundeinstellungen profitieren kann. Ein gerade frischer gewerblicher Anbieter, offensichlich einer der ersten mit dem Dampfer gelandeten Chinesen, der nicht auch ein Restaurant eröffnen wollte, brachte dann den von mir gewünschten Erfolg und so nahm das Unheil seinen Lauf.
2. Der Erste
Colco Thunderbird oder auch Cyclone hieß das Objekt meiner Begierde, lief auf Auktionen immer in Preisbereichen zwischen 160.- und 200.- aus und sicherte mir einen Dauerbeobachtungsposten im Netz. Nach einigen immer zu hoch ausgelaufenen Auktionen hatte ich´s dann aber doch geschafft 156.- Kracher, die Welt war mein Freund, der Drehstuhl rotierte warscheinlich noch, als ich schon am Schalter meiner Bank stand, so schnell hätte mich mein Chef gerne mal bei der Arbeit gesehen. Dann kamen mehrere Tage des wartens, jeder Postbote und DHL Wagen, der vorbeikam ohne mein Paket abzuliefern, wurde zum Staatsfeind Nr.1 erklärt und nach ca. 1 Woche hatte ich dann endlich ein ca. 50 cm langes Paket in den vor Vorfreude zitternden Händen.

Wahrscheinlich kennt der ein oder andere "alte Hase" noch diese Kiste, ein Fixpitch der Piccolo-Klasse, recht gut verarbeitet, immerhin mit 35 MhZ Funke und 6 Kanälen (wozu), nen Ladegerät, ein giftgrün verpackter 1000er NiMh, und eine, für einen einigermaßen fantasievollen Menschen durchaus verständliche, englische Bedienungsanleitung.
Schnell auspacken, 1,5 qualvolle Stunden Akku laden, Batterien in den Sender und...... wer fliegt den so? Hier war das Gas ja auf dem falschen Knüppel, nämlich links. Da drehte sich dem alten Rechtsgasgeber wie mir fast der Magen um. Wer sonst keine Schwierigkeiten hat, macht sich welche, den anstatt mir diese sinnmachende Knüppelbelegung anzutrainieren, dacht ich kurz nach und steckte mir die Kontrollen auf Mode 3, ihr habt richtig gehört zurecht. Gas und Heck rechts, Taumelscheibe links, heute graust es mich, wenn ich daran denke.
3. Erstflug?
Nein ihr müßt schon am Ball bleiben bei unserer Wöchentlichen Fortsetzungsgeschichte, große Romane werden bekanntlich auch nicht an einem Tag geschrieben. Ich hoffe es gefällt euch
LG, der Don
Motto: Nicht den Versuch bereuen, sondern nur, es nie versucht zu haben! Life´s great







lieber nicht.
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