Memoiren eines "alten Hasen"

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  • donstefano
    donstefano

    #1

    Memoiren eines "alten Hasen"

    Moinsen, Dominostein.

    Klasse Idee mit diesem Tagebuch. Leider war ich nicht ganz so gewissenhaft beim Niederschreiben meiner Memoiren, dabei ist an mir bestimmt ein großer Schriftsteller verlohren gegangen, Dieter Bohlen durfte ja auf schon die Welt mit seinen Ergüssen aufwerten. ( Zumindest den BILD-Zeitung lesenden Teil )

    Trotzdem werde ich einfach mal versuchen, meine eigene Laufbahn ein wenig zu rekapitulieren und so einen hoffentlich unterhaltsamen Betrag in dieser Rubrik betragen. Für jede Art von dazugegebenen Senf halte ich den Bratwurstgrill gerne offen.

    Die wichtigsten Eckdaten zu mir, vor ca. 35 Jahren habe ich, nun 48, meine ersten Erfahrungen als Holzwurm an verschiedenen Modellen wie dem kleinen Uhu, Amigo, einem Multiplex Motortrainer, diversen Schiffen (meine perverse Zeit), und einigen Elektrofliegern ausgetobt. Meine Flugkünste und meine Risikofreudigkeit nahmen in gleichem Maße zu, sodas leider wirklich alles Fluggerät über kurz oder lang den Feuertod starb. Wenn ich daran denke, wie leichtfertig ich zu dieser Zeit mit so einigen Klassikern der Zukunft umgegangen bin..... Dank der Balsaholzkonstruktionen gab das immer ein nettes Feuerchen am Platzrand, etwas Sprit war im Tank eigentlich immer über und wenn keine Raucher am Platz waren, half die Glühkerze weiter. Gut, das ich nicht selbst flog, es gibt alte und es gibt mutige Piloten. Die zu dieser Zeit gerade ersten auftauchenden Helibausätze waren für ein Schülergehalt einfach unerschwinglich und, obwohl ich einerseits gierig auf Graupners Bell 47G und Twin Jet 212 schaute, hakte sich das Ganze erstmal von meiner Wunschliste ab.
    Ausflüge zu den ein oder anderen Modell-Flugtagen ließen den Heliwunsch noch weiter schrumpfen, solange Flächen in der Luft waren war Aktion, dann kam der Aufruf der Flugleitung: Alle Flächenpiloten bitte landen.....und dann.
    30 Minuten Langeweile für die Zuschauer, weil es in der damaligen Kreisellosen Zeit fast immer das höchste der Flugkunst war einen Heli heckschwebend an einer Stelle zu halten, was für großes Kino. Was das für ne Leistung war, kann ich erst heute verstehen, nachdem ich mal dasselbe mit nem 450er probiert habe.
    Dann haben Job und andere Interessen meine Aktivitäten immer weiter von der Modellfliegerei abgelenkt, sodas selbst die Flächenfliegerei keine Bedeutung mehr für mich hatte. Im stillen hat der Virus aber anscheinend immer noch weiter gewütet und so für das erste Kapitel dieser Geschichte gesorgt.

    1. Der Virus

    Vor ca. 7-8 Jahren brachte einer meiner Arbeitskollegen so einen Spielzeugheli aus der Spielezeugecke eines fachlich dafür prädestinierten Lebensmittelmarkt um die Ecke mit und sorgte bei mir, einem "echten" Modellflieger für langhanhaltende Bezeugungen: Spielkram, elektronischer Sondermüll out of the Box und ähnliche Beweise meines "großen" Wissens über ferngesteuerte Luftfahrzeuge. Und trotzdem fraß der Neid ein tiefes Loch in mein vom Besitzerwunsch angenagtes Herz. Mal ehrlich, 2 Kanäle, ne Pistolenfernsteuerung, 2 Minuten Flugzeit, die steuer- und flugeigenschaften einer Backsteinmauer, aber dieses Teil ging irgendwie hoch und runter, drehte sich mal mehr, mal weniger auf der Stelle und ließ die armes Büropflanzen das ein oder andere Blatt verlieren. Aber, mein Ehrgeiz war erwacht, dem würde ich mal zeigen, was ein echter Heli in Verbindung mit einem echten Piloten kann. Viel falscher hätte ich garnicht liegen können, aber halbe Sachen liegen mir nicht, wenn ich was falsches mache, dann aber wenigstens richtig falsch.
    Und so fing ich dann an, Modellbaufachgeschäfte, Spielwarenfachmärkte und natürlich die in diesen Tagen noch fast jungfräuliche Bucht zu erforschen, auch das Internet war gerade erst ein von mir entdecktes Medium, und wurde erschüttert in meinem Glauben: Das Ganze müßte doch für 150 Bucks zu wuppen sein. Mehr wollte ich jedenfalls nicht für diesen Versuch investieren. Die Urgesteine dieser Zeit waren Kyosho Caliber M24 399.-, Ikarus Piccolo 350.- bis 400.- Conrad Whisper 299.-......verdammt. Aber dann vielleicht nen Chinaböller? Auch nix, die 400er Fixpitchgröße war nirgends unter 200.- vertreten und wenn, so schlau war ich gerade noch, sollte es ein neuer zumindest sein, damit ich von den hoffentlich richtigen Grundeinstellungen profitieren kann. Ein gerade frischer gewerblicher Anbieter, offensichlich einer der ersten mit dem Dampfer gelandeten Chinesen, der nicht auch ein Restaurant eröffnen wollte, brachte dann den von mir gewünschten Erfolg und so nahm das Unheil seinen Lauf.

    2. Der Erste

    Colco Thunderbird oder auch Cyclone hieß das Objekt meiner Begierde, lief auf Auktionen immer in Preisbereichen zwischen 160.- und 200.- aus und sicherte mir einen Dauerbeobachtungsposten im Netz. Nach einigen immer zu hoch ausgelaufenen Auktionen hatte ich´s dann aber doch geschafft 156.- Kracher, die Welt war mein Freund, der Drehstuhl rotierte warscheinlich noch, als ich schon am Schalter meiner Bank stand, so schnell hätte mich mein Chef gerne mal bei der Arbeit gesehen. Dann kamen mehrere Tage des wartens, jeder Postbote und DHL Wagen, der vorbeikam ohne mein Paket abzuliefern, wurde zum Staatsfeind Nr.1 erklärt und nach ca. 1 Woche hatte ich dann endlich ein ca. 50 cm langes Paket in den vor Vorfreude zitternden Händen.
    Wahrscheinlich kennt der ein oder andere "alte Hase" noch diese Kiste, ein Fixpitch der Piccolo-Klasse, recht gut verarbeitet, immerhin mit 35 MhZ Funke und 6 Kanälen (wozu), nen Ladegerät, ein giftgrün verpackter 1000er NiMh, und eine, für einen einigermaßen fantasievollen Menschen durchaus verständliche, englische Bedienungsanleitung.
    Schnell auspacken, 1,5 qualvolle Stunden Akku laden, Batterien in den Sender und...... wer fliegt den so? Hier war das Gas ja auf dem falschen Knüppel, nämlich links. Da drehte sich dem alten Rechtsgasgeber wie mir fast der Magen um. Wer sonst keine Schwierigkeiten hat, macht sich welche, den anstatt mir diese sinnmachende Knüppelbelegung anzutrainieren, dacht ich kurz nach und steckte mir die Kontrollen auf Mode 3, ihr habt richtig gehört zurecht. Gas und Heck rechts, Taumelscheibe links, heute graust es mich, wenn ich daran denke.

    3. Erstflug?

    Nein ihr müßt schon am Ball bleiben bei unserer Wöchentlichen Fortsetzungsgeschichte, große Romane werden bekanntlich auch nicht an einem Tag geschrieben. Ich hoffe es gefällt euch

    LG, der Don

    Motto: Nicht den Versuch bereuen, sondern nur, es nie versucht zu haben! Life´s great
  • Klaus O.
    Senior Member
    • 03.12.2007
    • 22475
    • Klaus

    #2
    AW: Memoiren eines "alten Hasen"

    Hallo Steffen,

    sehr nette Geschichte.
    Habe sogar eine Parallele zu mir entdeckt.

    Caliber M24
    Der steht auch auf meiner Lehrgeldliste.
    Gruß Klaus

    Wer emotional wird hat keine sachlichen Argumente mehr und somit verloren.

    Kommentar

    • JMalberg
      RC-Heli TEAM
      • 05.06.2002
      • 22636
      • J
      • D: um Saarbrücken drum rum

      #3
      AW: Memoiren eines "alten Hasen"

      Hi,
      saugut geschrieben

      Auch zeitlich ziemlich genau zu meiner Historie
      Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Klappe halten oder nachfragen!
      Der Dunning-Krueger-Effekt ist immer und überall!

      Kommentar

      • Schnöfi
        Member
        • 27.12.2008
        • 859
        • Christian
        • Dölzig/Wallendorf/Grüne Wiese

        #4
        AW: Memoiren eines "alten Hasen"

        Kann man nicht einfach mal die Einträge weglassen,sich bedanken und gut.Es wäre schön diese Story nacheinander lesen zu können ohne zwischen durch zehn Seiten Kommentare zu überblättern.Ein Statement wäre am Ende dieser Story angebracht..
        Nix für ungut.....
        [FONT="System"]Gruss Christian[/FONT]

        Kommentar

        • Reiner Fuchs
          Mitarbeiter Hempel KG
          • 26.09.2008
          • 2373
          • Tayfun
          • 52.042275,10.468926

          #5
          AW: Memoiren eines "alten Hasen"

          Wie gemein!
          Ich will mehr!

          Vielen Dank für eine bisher sehr gut Geschichte.
          Warp360, LOGO 600SX, LOGO 700 VTX, Hammer V3, DS-24, DX9

          Kommentar

          • donstefano
            donstefano

            #6
            AW: Memoiren eines "alten Hasen"

            3. Erstflug?

            Frisch, fromm, fröhlich, frei von jeder Ahnung und als alter Flächenflieger völlig Beratungsresistenter Autodidakt dachte ich mir, wie schon erwähnt, nichts dabei meine Flugkünste mit einem Miniheli erkunden zu können. Dank meiner intensiven Vorarbeit und Recerche wußte ich doch jetzt wirklich alles und hatte genug Kenntnisse, auf was ich mich da einließ. Also bitte mal ehrlich, 10 Jahre Fluggeräteerfahrung, gesundes Selbstbewußtsein, gutes Auge, Kenntnis über die elementare Flugphysik eines Heli´s, was soll denn da noch schiefgehen? Um es kurz zu machen....Alles. Wenn Gott es Hirn hätte regnen lassen, mein Regenschirm lag Griffbereit.
            Der Sender hatte seinen Strom, der Akku ruhte in seinen Gummis unter dem Bauch des Helis und war aufgesteckt, die Servos machten das, wofür sie gebaut waren und der kleine und große Propeller nahmen wunschgemäß ihre Arbeit ab dem ersten Zacken in der Raste des Gasknüppels auf. Schweiß- und Adrenalin absorbierende Unterhosen gibt es ja leider noch nicht, gottseidank aber frisch gewaschene. Mein ßbungsraum: ein 5x9x4,2m BxLxH großer Büroraum. Also viel Platz zum schweben. Idiotenkreuz, bin ich einer, wozu das?
            Langsam immer mehr Strom geben, der Heli dreht sich weg, also nachtrimmen. So, das passt, also mehr Gas, der Heli wird leichter und... neigt sich rechts, also wieder trimmen, der Heli neigt sich vor... same procedure. Endlich, so denke ich, haben meine Trimmversuche alle den gewünschten Erfolg gegeben, also kann ich es wagen abzuheben 5cm 10cm 20 cm na, sieste. Geht doch! Dann, viel zu schnell für den erfahrenen Piloten, neigte sich mein Donnervogel vor und nahm den Kampf mit einem bereitgestellten Drehstuhl auf. Drehstuhl 1 : Heli 0.
            Bilanz, ein Rotorblatt zu wenig, aber wofür hat man denn Sekundenkleber entwickelt? Um nach einigen Sekunden den kleinen Schaden in einen Großen zu verwandeln, denn natürlich gab die vortrefflich geklebte Blattmitte nach bei meinem zweiten Startversuch, skalpierte wieder mal den geplagten Fikus und ließ meinen zweiten auch meinen letzten Startversuch bleiben, denn jetzt waren neben dem ersten auf das zweite Blatt gebrochen, der Heckrotor hatte auch nur noch einen Flügel und der Verfasser dieses Text den Kaffee für diesen Tag auf.
            Vieleicht war ja doch etwas drann, an dem, was mir wirklich erfahrene Helipiloten gesagt hatten: Fang lieber mit nem Größeren an, die liegen ruhiger, Flächenpiloten haben absolut keine Vorteile den absoluten Anfängern gegenüber, eher sogar Nachteile u.s.w. Manche Erkenntnisse reifen erst dann im Kopf, wenn es dem Erleuchteten richtig weh tut. Aber was noch viel schlimmer war, jetzt war der Ehrgeiz erst richtig erwacht, kann doch nicht sein, das ich zu blöd bin dafür
            Also auf in den nächsten Modellbauladen, schnell neue Teile kaufen, 2 Carbonstangen und Tischtennisbälle und das Ganze von vorn. Carbonstangen, kein Problem, Tischtennisbälle, auch dieses Spiel ist im Norden Deutschlands angekommen, welche Marke ist der Heli? Colco, ne ham wa nich und können wir auch nicht bestellen erfuhr ich vom Fachhändler meines Vertrauens und so stieg ich die Treppe der Erkenntniss wieder um eine Stufe nach oben. Lieber im Fachhandel, auch wenns etwas mehr kostet, der kann einen aber mit Ersatzteilen versorgen.
            Aber ich hatte ja eine Ersatzteilliste sammt Preisen und den Sonderkonditionen für Kunden bei meinem bucht-Verkäufer. Schnell die Bestellung gemailt, wieder zur Bank, wieder alle Paketdienste der Welt, die vorbeigingen ohne was abzuliefern in die Hölle gewünscht. Und die Ersatzteilpreise? Allein das wäre schon ein gutes Argument für ein neues Aufleben lassen der Inqusition. Aber auch in diesem Fall hatte das Warten nach ca. 1 Woche ein Ende und mein Cyclone stand bereit, die nächsten Versuche meiner Steuerkenntnisse umzusetzen, und so schaffte ich es tatsächlich, ans Idiotenkreuz gebunden, den Heli solange hin und herrutschen zu lassen, bis sich mein erster Heckmotor verabschiedete.
            Schnell die Bestellung gemailt....................


            Warum man besser auf Originalteile zugreift, könnt ihr in der Fortsetzung meiner kleinen Geschichte erfahren. Aber ihr denkt euch wahrscheinlich schon euren Teil, die ßberschrift: Wie macht man aus einem kleinen Schaden einen Großen.

            LG, Der Don

            Motto: Nicht den Versuch bereuen, sondern nur, es nie versucht zu haben! Life´s great

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            • donstefano
              donstefano

              #7
              AW: Memoiren eines "alten Hasen"

              @dreamer

              keine Sorge, werde versuchen meine literarischen Ergüsse schnell und umfangreich genug erscheinen zu lassen. Ausserdem freut sich jeder Künstler über Applaus zwischen den Szenen.

              Kommentar

              • donstefano
                donstefano

                #8
                AW: Memoiren eines "alten Hasen"

                Moinsen Leutz,
                Ich sehe mein Fred wird anscheinend recht fleißig gelesen und hoffentlich auch kommentiert werden. Aber ein Ziel, das ich damit verfolge, ist Einsteigern in dieses Hobby mal einen Einblick in die Laufbahn eines Helifliegers zu geben, damit ihr den ein oder anderen Fehler vielleicht vermeiden könnt.
                Klar Helifliegerei ist stark im kommen und fast jeder Modellbau-Erfahrene und Flug- Erfahrene wird mir da zustimmen, wir alten Säcke können es teilweise schon nicht mehr mit 10 jährigen 3D Piloten aufnehmen, aber ich finde, das macht nichts. Irgendwie findet jeder seinen Platz in diesem Getümmel.
                Was ich nur mit diesen kleinen Geschichten erreichen möchte, ist das jeder, der sich zu diesem tollen Hobby entscheidet, ein wenig von meiner Erfahrung profitiert und sich gleich für den richtigeren Weg entscheidet. Helifliegerei ist ein klein wenig masochismus, ein klein wenig überheblichkeit über den Rest der RC-Modellwelt Szene und viel Eigeninitiative in Sachen, ich weiß es so wie so besser, was ich gut finde.
                Jedem der jetzt noch Interessiert weiterliest kann ich sagen: wenn du es wirklich lernen willst, bringe min. 500 Buck mit, sonst vergiss es.
                Jedem, der es geschafft hat darunter zu bleiben, herzlichen Glückwunsch, aber das ist die Ausnahme.
                Meine Memos werden auf jeden Fall bis Tag heute weitergehen und so jedem einen Einblick verschaffen, welches Handwerkzeug für Helifliegerei meiner Meinung nach wichtig ist.

                LG, der Don.

                Kommentar

                • Icefox
                  Icefox

                  #9
                  AW: Memoiren eines "alten Hasen"

                  Der Hamma! Mehr davon!!!!

                  Kommentar

                  • lexy
                    Member
                    • 03.10.2009
                    • 450
                    • Sven

                    #10
                    AW: Memoiren eines "alten Hasen"

                    hey ho Steffen(Don),

                    sehr gut geschrieben und beschrieben, (wir Nordlichter sind voller Humor) mache quasi das gleiche wie du gerade durch.
                    Wo fliegst du in Kiel (Kleinkönigsförde?).
                    Weiter so!

                    Es grüßt Sven aus Glücksburg
                    Nova cuatro Elektro 10s/Rigid
                    Trex 550V2 Hc3sx
                    Mc 24/Weatronic

                    Kommentar

                    • donstefano
                      donstefano

                      #11
                      AW: Memoiren eines "alten Hasen"

                      Gooooood Mooorning, Agguschraubäääär.

                      Es ist Sonntag morgen, Flugwetter, was ihr hoffentlich auch nutzen könnt und damit ihr den Schlaf aus euren Augen etwas schneller reibt, donner ich euch nen kleinen Nachschlag in die ungewaschenen Glotzkartoffeln.

                      4. Wie macht man aus einem kleinen Schaden einen großen.

                      Jeder Anfänger kennt das, gerade hat man seine Flug-, oder sollte ich besser sagen Bodenrutschtechnik bis zu einem gewissen Grad verfeinert, da gibt auch schon wieder irgend ein Stück Technik, in dem Fall bei mir der Heckmotor, den Geist auf. Ich rede hier vom Jahr 2003 oder 2004, mit anderen Worten, das Rad war schon erfunden und für ein Mittagessen war man nicht mehr gezwungen mit der Steinaxt bewaffnet in den Wald zu marschieren, aber Brushless, Lipo, 2,4 GhZ ? Für nen E-Motor gibt es Bergwerke, also Kohlen, die Akkus wogen doppelt so viel bei halber Leistung und wenn ich nen kurze Antenne an meinem Sender haben will, brauch ich nur kurz mal nicht aufpassen, wenn der mit ausgezogenem Stengel rumliegt.
                      Wieder mal ging die Jagdt auf ein passendes Ersatzteil los, weil man ja doch den gewissen Ehrgeiz entwickelt, dem Nachschubterror sowohl Zeitlich als auch Preislich ein Schnippchen zu schlagen. Einen E-motor sollte man ja wohl doch in einem Fachgeschäft bekommen...klar, der vom Caliber M24 hat dich die gleiche Größe und sogar noch ein Ritzel, Hurra. Die Haushaltskasse war um 20.- € ärmer, aber wenigstens konnte es gleich weitergehen. Denkste!
                      Wieder einmal streckte mir Fortuna breit grinsend den Mittelfinger entgegen,denn was ich nicht gewußt hatte, bei Zahnrädern gibt es unschiedliche Module, also Zahngrößen. Was nicht passt, wird passed gemacht, man ist doch Fachmann im Modellbau. Also schnell das Feuerzeug heraus, zur Probe erst das Ritzel vom kaputten Motor ab, ging doch ganz einfach. Und dann das ganze bei dem Neuen Motor. Sch...., das sitzt aber um einiges fester. Vielleicht eine wenig mit dem Hammer lose klopfen? Den Motor mit dem wieder erwärmten Ritzel in den Schraubstock, die Zange als Hebel darunter und schon löste sich die eine Hälfte des Motors von der Welle samt Anker und natürlich Ritzel von der anderen fröhlich unter meinen hämmerversuchen ab.
                      Immerhin konnte ich die Technik jetzt mal von innen bewundern und mich auch gleich mal wieder in die Seite meines Ersatzteil-Lieferanten einloggen. Diesmal kam ich mit Porto auf ca. 20.- €plus der üblichen Wartezeit also 40.- für den ersten Heckmotor. Wie schlau ist das denn.
                      Aber endlich war es wieder soweit, das ich meinen Versuchen als Eroberer der Lüfte eine weitere Chance geben konnte, immerhin war ich schon vom Bodenturner zu sicheren 10-30 sec Kampfheckschweber mutiert, da machte mir der Hauptmotor klar, das ihm ca. 30 Flüge als ausreichende Leistung erschienen. Hört das den nie auf?
                      O.K., nen E-motor der 400er Größe gibts ja nun wirklich an jeder Pommesbude. Der brachte meinem Fachhändler 10.- € in die Kasse, mir ein zufriedenes Grinsen auf die Lippen und wieder ca. 1-2 Std. Arbeit mit Ritzeltausch, aus und Einbau, Kabellöten u.s.w. Die Voltzahl stimmte, in den UpM laut Packungsbeilage konnte ich auch keinen großen Unterschied entdecken, diesmal hatte ich also wirklich alles bedacht, oder?
                      Alles bereit, Akku voll und aufgesteckt, Bodencheck und start. Haupt und Heckmotor drehen an, erreichen Abhebegeschwindigkeit und schon kann man den Phönix wieder im Flug bewundern. ßßh,Flug, das war aber eher ein Hüpfer!
                      Die letzte Zigarette, wie sie oft zum Tode verurteilten angeboten wird hatte sich mein kleiner Donnervogel wohl auch noch schnell genehmigt, den jetzt stand er genüsslich vor sich hinrauchend vor mir. Neeeein. Das Rauchen der Gesundheit schadet, ist ja allgemein bekannt, aber so schnell?
                      Hätte mir mein Fachwilli mal auch noch bekannt gegeben, das es bei einigen Bürstenmotoren eine gesunde und eine ungesunde Drehrichtung gibt, dann wäre die Schadensbilanz etwas freundlicher mit meinem Geldbeutel umgegangen, aber jetzt sah die ganze Sache so aus. Abgerauchter Motor 10.-, neues Mixerboard 40.-, neuer Hauptmotor 20.-, neue Nerven: unbezahlbar.
                      Mittlerweise hatten sich zum Kaufpreis meines Erstwerks umgefähr noch mal die gleiche Summe an Ersatzteilen hinzugesellt, der Akku machte auch langsam schlapp und der Experte fing an, sich Gedanken über eine Sinnvolle Verbesserung in Bezug auf das Gewicht-Leistungs-Haltbarkeits Verhältniss zu machen. Gab es da nicht Berichte im Netz, wie man mit Bürstenlosen Motoren ein deutlich besseres Ergebnis erzielt? Genau, das wird jetzt gemacht.

                      Womit ich zum nächsten Kapitel meinen einstweiligen Zweitakter, äääh zweiteiligen Einzeller, äääh......

                      Ach egal, auf jeden Fall wird die spannende Fortsetzung den Titel "Tuningmaßnahmen, oder wie man alles verschlimmbessern kann" tragen
                      Zuletzt geändert von Gast; 10.10.2010, 10:07.

                      Kommentar

                      • Flachzange
                        Flachzange

                        #12
                        AW: Memoiren eines "alten Hasen"

                        Hey Steffen,

                        schön geschrieben, konnte mich doch tatsächlich in soviele Textpassagen in dir wiederfinden. Ich bin gespannt auf deine weiteren Texte. Vielleicht schliesst man sich ja mal zwecks gemeinsamen Fliegen zusammen, denn bin ebenfalls Kieler )

                        Gruss Jörn

                        Kommentar

                        • donstefano
                          donstefano

                          #13
                          AW: Memoiren eines "alten Hasen"

                          Moin Sven, Moin Jörn, Moin DMKOE, AlAndy, siat68, Icefox, Lothar 99.

                          Nicht vorm Computer abhängen, raus bei dem Wetter. Eigene Nase nicht ausgeschlossen. Fliege meist wilde Wiese in der Nähe Rathmannsdorf oder die kleinen 450er auch mal auf´m Norder. Treffen gerne, aber als Autoloser sind da dummerweise nen paar Einschränkungen bei mir.

                          Ach ja, ehe ich´s wieder vergesse: Alle Kopier und Veröffentlichungsrechte der "Memoiren eines alten Hasen" liegen natürlich beim Autor donstefano.
                          Zuletzt geändert von Gast; 10.10.2010, 10:43.

                          Kommentar

                          • xDominosteinx
                            Senior Member
                            • 16.05.2010
                            • 1117
                            • Peter

                            #14
                            AW: Memoiren eines "alten Hasen"

                            Geil, einfach nur geil geschrieben.

                            Grüße
                            Logo 500SE mit Jive und Scorpion

                            Kommentar

                            • lexy
                              Member
                              • 03.10.2009
                              • 450
                              • Sven

                              #15
                              AW: Memoiren eines "alten Hasen"

                              hey ho,ja das wetter ist heute erste sahne,mir jugt das auch ganz stark in den fingern,aber ich habe noch keine versicherung und im verein bin ich auch noch nicht,und mit dem 600er rex einfach so auf die wiese lieber nicht.
                              Nova cuatro Elektro 10s/Rigid
                              Trex 550V2 Hc3sx
                              Mc 24/Weatronic

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