Leider kann ich bei Post #45 nur 1x Danke anklicken.
Ich habe aber zum "Bevor es heute weiter geht möchte ich mir erlauben zu "Wie macht der das bloß..." kurz off-topic abzuschweifen" Thema gedanklich noch mindestens 3 mal den DANKE-Button gedrückt!
Heute geht es ohne Abschweifungen direkt weiter. Nachdem der Rohbau soweit hergestellt und die Oberfläche sauber gefüllert und verschliffen ist geht es los mit der Detailgestaltung. Ich finde, die Detailarbeiten verleihen einem Scale-Modell erst eine Seele. Glatte, hochglanzlackierte Scale-Modell sehen einfach aus wie ein billiges Spielzeug.
Die ersten beiden Fotos zeigen den Heckausleger mit dem in den letzten Posts mehrfach erwähnten, vom Vorderteil abgetrennten, hinteren Viertel, das jetzt mit dem Heckausleger verklebt und bereits mit Gfk beschichtet und gefüllet ist. Da ursprünglich alles ein Teil war und erst nachträglich getrennt wurde, ergibt sich so eine perfekte Passgenauigkeit.
Die anzudeutenden Beplankungsstöße werden mit bis zu drei Lagen Isolierband abgeklebt und angespachtelt. Ebenso werden die im Original vorhandenen äußeren Verstärkungen aus Buchen-Rundholz aufgeklebt und verspachtelt. Es folgt - Richtig!!! - schleifen, schleifen, schleifen. Hierbei trägt man Maske gerne. Der Effekt der überlappenden Blechstöße durch anspachteln lohnt sich aber wirklich. Der Gewichtszuwachs hält sich in Grenzen weil die aufgetragene Schicht zum Klebeband hin dünn bleibt und zum darunter liegenden Material auf Null ausläuft.
Wartungsdeckel können sehr einfach aus dünnem Plastik hergestellt werden. Ich verwende dazu gerne die Plastblätter aus dem Bürobedarf, mit denen Unterlagen in Ordnern unterteilt und sortiert werden.
Weiter geht es mit der Gestaltung des Vordertels. Die Struktur wird wie beschrieben aufgespachtelt. Nieten werden erst nach dem Grundieren mit der Spritze gesetzt, weil mit der Grundierung ggf. noch auszubessernde Fehlstellen in der Oberfläche sichtbar werden, was mit bereits gesetzten Nieten nicht so einfach möglich wäre. Das Verfahren des Nietensetzens mit der Spritze dürfte weitgehend bekannt sein: Ponal Holzleim mit Puder zu einer zähen Pampe anrühren, in eine Spritze füllen, von einer nicht zu dünnen Kanüle die Schneide abtrennen und schon können die Nieten gesetzt werden.
Hervorstehende Verkleidungen, wie äußerer Kühllufteinlauf und Getriebegehäuse, werden über einen in Form geschliffenen Styrodurklotz laminiert und das Styrodur anschließend mittels Zerstörung entfernt. Drei Lagen 165-Gramm-Matte ergeben hier ausreichend Stabilität.
Der Tankstutzen besteht aus einem Rest passendem Heckrohrs eines gecrashten Trainers. Der Kühlventilator des Originals ist nicht etwa aus dem 3D-Drucker sondern aus dreieckigen Plastikplättchen zusammengeklebt. Die Nabe ist aus einem Buchenrundholz und der "Keilriemen" aus dünner Gfk-Platte.
Das Scheinwerfergehäuse ist aus dem dünnem Blech einer leeren Sprühdose, der Scheinwerfer selber ebenfalls aus altem Heckrohr. Dieses seitliche Teil an der rechten Seite der Nase, ich habe trotz aller Recherchen bis heute nicht herausgefunden wozu dieses unförmige Teil im Original diente, ist ein mit dünnem Plastik beklebtes Holzteil mit eingesetzten Alurohren.
Die Plexiglas-Verglasung war speziell bei diesem Modell weitgehend einfach zu machen, da außer im oberen Bereich keine sphärisch geformten Teile benötigt werden. Die oberen Verglasungen sind auf die bekannte Art mittels Ofen, Sperrholzkiste und Staubsauger über entsprechende Holzformen tiefgezogen. Zu dem Verfahren gibt es bei Youtube gute Anleitungen, so dass ich hier nicht näher daraus eingehen brauche.
Als Scheibenmaterial eignet sich sehr gut Vivak von Bayer. Ich habe 0,75mm Material verwendet. Sehr gut zum Aufkleben ist Sekundenkleber geeignet, der Nachteil ist, dass sich um die Klebestellen schnell weiße Schleier bilden, die kaum mehr zu entfernen sind. Als optimale Lösung, um solches ßbel zu vermeiden, bietet sich an, das Material auch an der Innenseite abzukleben, was ohnehin ratsam ist, damit beim späteren Lackieren kein Sprühnebel auf die Verglasung gelangen kann. Dass die Klebestellen angeschliffen werden müssen um optimale Haltbarkeit zu erreichen versteht sich von selbst. Wo wir gerade beim Abkleben sind: Oft bleiben nach dem Abziehen der Abklebung unschöne Reste der Kleberschicht zurück. Die Lösung ist auch hier sehr einfach: Revell Color-Mix löst solche Kleberrückstände zuverlässig auf ohne das Kunststoffmaterial anzugreifen.
Aber ich schweife in meiner Bewunderung dieser Meisterwerke zu sehr ab - nun zurück zum Thema, bevor die Admins wegen übermäßiger Abweichung vom Thema auf den Plan gerufen werden
Da mach Dir mal keine Sorgen, ich verfolge Thread fleißig und bin voll begeistert von Deinen Ausführungen und dem schönen Heli.
Da darf es ruhig ein wenig Ausschweifend sein, dies gibt ja auch Einblicke was Jemanden inspiriert, um so ein tolles Projekt auf die Beine zu stellen.
Also weiter so, Du hast hier jede Menge begeisterter Mitleser und Bewunderer, die gerne etwas mehr die Hintergründe erfahren
Zuletzt geändert von Michael Vogler; 18.12.2021, 14:12.
Nach Monaten des Baus geht es auf das Ende zu. Da die Mechanik von außen sehr gut einsehbar ist, wurde sie anthrazit lackiert und der Basislack anschließend mit seidenmattem 2K-Lack kraftstofffest versiegelt. Die Bilder zeigen einmal die Mechanik in "natur" und einmal lackiert.
Das Unterteil ist jetzt mit Scale-Details wie der Attrappe des De Haviland Gipsy Major Motors und der Attrappe des Auspuffs vervollständigt. Das Fahrwerk besteht aus einem hartverlötetem Federstahlgestell mit angeschraubten Alu-Aufdickungen, die an den Enden zusätzlich mit Gfk-Platten verklebt sind. Die Halterungen für die vertikalen Verstrebungen sind angeschraubte und zusätzlich verklebte Alufrästeile. Dass der Federstahl an den Löstellen seine Festigkeit verliert ist nicht weiter schlimm, da die ganze Konstruktion nach oben hin abgestrebt wird und alleine durch die Form eine hohe Stabiltät haben wird. Die Auspuff-Attrappe ist auf die bereits beschriebene Weise hergestellt: ßber einen in Form geschliffenen Styrodurkern wurden mehrere Lagen Gfk laminiert und das Ganze anschließend verspachtelt und verschliffen woraufhin der Styrodurkern gewaltsam entfernt wurde. Die dünneren "Abgasrohre", die zum "Motor" führen sind 12mm Buchenholzstäbe aus dem Baumarkt, die "Abgaskrümmer" sind einfach zwei im 90 Grad-Winkel verklebte Buchenholzstäbe, die an der entsprechenden Stelle rundgeschliffen sind.
Anschließend wurde die inzwischen mit Mechanik- und RC-Bauteilen vervollständigte Mechanik auf dem Unterteil montiert. Das Aluteil über dem Schalldämpfer im Bereich des Vergasers dient als Trichter um über die entsprechende Bohrung im Rumpf die Düsennadel auch bei laufendem und vibrierendem Motor mit dem Schraubendreher zuverlässig zu treffen. Auf der anderen Seite ist für die Vollgasnadel ebenfalls so ein Teil.
Dann wurde das gesamte Modell Camoflage geairbrusht, die Verschmutzungseffekte nicht übermässig, nur soviel, dass die aufgespachtelte Struktur und die Nieten etwas mehr hervorstechen, mittels Trockenmaltechnik aufgebracht und alles anschließend seidenmatt mit 2K-Klarlack lackiert. Schöne Effekte mit Trockenmalen sind sehr einfach zu erzielen: Man taucht einen flachen Pinsel in Farbe und Streicht dann solange über einem Küchentuch die Farbe wieder ab, bis auf dem Pinsel praktisch keine Farbe mehr vorhanden ist. Den richtigen Zustand erkennt man, wenn beim Steichen über das Küchentuch nur noch sehr, sehr wenig Verfärbung feststellbar ist. Dann streicht man über die hervorzuhebende Stelle am Modell, woraufhin sich die wenige am Pinsel verbliebene Farbe in Hervorherhebungen und Nieten absetzt. Man muss das mit etwas Geduld öfter wiederholen bis der gewünschte Effekt in der richtigen Stärke sichtbar wird. Besser mehrfach mit weniger verbliebener Farbe übermalen als einmal mit zu viel Farbe. Bewährt haben sich die Aqua-Color-Farben von Revell. Die lassen sich bei Misslingen mit Wasser wieder abwaschen solange sie noch nicht durchgetrocknet sind.
Noch kurz zu den Aufklebern: Die Beschriftung "ARMY XN341" ist einfach auf Papier ausgedruckt,
ausgeschnitten und aufgeklebt, und zwar bevor das Modell Camoflage lackiert wurde. Das hat den Sinn, dass die Ränder der ausgeschnittenen Buchstaben später in der grün / braunen Farbe mitlackiert sind. Die Buchstaben selber habe ich dann schwarz übergepinselt. Das britische Hoheitszeichen ist ebenfalls ausgedruckt und übergepinselt. Schwieriger wurde das bei den Auflebern "DANGER", "BEWARE ROTOR BLADES" und "FUEL". Der "BEWARE ROTOR BLADES"-Aufkleber ist ein Ausdruck auf Papier, dann komplett in Olivgrün übergeairbrusht, also auch die Buchstaben. Dann habe ich das auf eine von unten beleuchtete Glasplatte gelegt und die Buchstaben in rot nachgemalt. Der "FUEL"-Aufkleber enstand auf die gleiche Art. Beim "DANGER"-Aufkleber war ich so verrückt den Ausdruck komplett nachzupinseln. Feinste Pinsel und eine ruhige Hand sind hier erforderlich. Der ganze Aufwand ist sinnvoll, weil Toner für Laserdrucker nicht auf Dauer lichtecht ist. Die verwendeten Revell-Farben zum ßberpinseln sind auch nach vielen Jahren noch schön anzusehen. Um die Schriftzüge direkt auf dem Modell abzukleben und zu airbrushen habe ich auch nach etlichen Versuchen bis heute noch keine brauchbare Maskierfolie gefunden, die einerseits optimal auch über die aufgespachtelten Beplankungsstöße und aufgeklebten Nieten klebbar ist und sich abdererseits einfach genug wieder abziehen lässt ohne die darunter liegen Farbschicht zu ruinieren. Entweder das Zeug löst sich sofort wieder im Bereich Beplankungsstöße / Nieten ab oder reißt die darunter liegende Farbe mit ab. Vielleicht findet sich da irgendwann noch etwas Passbles, ansonsten bleibe ich auch zukünftig bei Papieraufklebern.
Zur abschließenden Lackierung mit 2K-Klarlack empfehle ich seidenmatten Lack. Eine Hochglanzlackierung sieht bis auf wenige Ausnahmen, wie z. B. bei VIP-Hubschraubern oder bei Modellen, die im Original eine unbehandelte Aluoberfläche hatten, wie Spielzeug aus. Auf extrem matten Lackierungen, welche ohnehin nur bei Militärmodellen Sinn machen würden, haftet jede Art von Dreck sehr gut. Eine sehr matte Lackierung ist recht rau und auf dieser rauhen Oberfläche haftet Dreck erstaunlich gut. Dazu kommt bei Verbrennermodellen, dass das ßl den matten Lack glänzend verfärbt, was ebenfalls sehr unschon werden kann. Deshalb habe ich für mich eine seidenmatte Lackierung als optimal angesehen.Zur endgültigen Fertigstellung habe ich keine Bilder mehr weil das recht unspektakulär war: Heck anschrauben, Haube montieren - fertig - war nur noch eine Sache von Minuten. Aufgrund der in den letzten Posts beschriebenen "Ist-Bauweise" passt alles so perfekt zusammen, dass dazu einfach nichts zu sagen oder zu fotografieren ist. Das Resultat kann dann wieder im ersten Post begutachtet werden.
Das war es dann mit dem Baubericht. Ich hoffe er war nützlich und konnte dazu beitragen, wieder mehr Leute zum echten Modellbau zu animieren. Wenn jemand Fragen hat oder bestimmte Details fotografiert haben möchte meldet euch einfach.Ansonsten danke ich für eure Aufmerksamkeit, die zwischenzeitlich geäußerte Anerkennung und - ganz wichtig - dass ihr mir die unzähligen Rechtschreibfehler kommentarlos habt durchgehen lassen. ßber mache "Stilblüten" war ich beim nachträglichen Lesen dann doch selber erschrocken, ganz besonders über den "gegelförmigen Heckausleger".
Ich kann mich auch nur bedanken!
Uns wurde Modellbau vom Feinsten gezeigt und beschrieben, ich denke, jeder konnte etwas lernen und es hat einfach nur Spaß gemacht an dieser Kunst teilzuhaben.
Vielen lieben Dank
Roland
Modell-Heli fliegen, fast die schönste Nebensache der Welt
Je originalgetreuer je besser!
Moin
Einfach nur geil was du da zauberst. Ohne 3D drucken, ohne Computer ohne komplexe Programmierung, Säge Feile Schmirgel, etwas was man damit bearbeiten kann, und Ideen, was vielleicht in der heutigen Zeit das schwierigste ist.
Frohes Fest euch allen
Logo 400SE Jive Pyro Savöx VStabi Mini
Logo 600SE Jive Scorpion Savöx VStabi Mini
Wir verarbeiten personenbezogene Daten über Nutzer unserer Website mithilfe von Cookies und anderen Technologien, um unsere Dienste bereitzustellen, Werbung zu personalisieren und Websiteaktivitäten zu analysieren. Wir können bestimmte Informationen über unsere Nutzer mit unseren Werbe- und Analysepartnern teilen. Weitere Einzelheiten finden Sie in unserer Datenschutzrichtlinie.
Wenn Sie unten auf "Einverstanden" klicken, stimmen Sie unserer Datenschutzrichtlinie und unseren Datenverarbeitungs- und Cookie-Praktiken wie dort beschrieben zu. Sie erkennen außerdem an, dass dieses Forum möglicherweise außerhalb Ihres Landes gehostet wird und Sie der Erhebung, Speicherung und Verarbeitung Ihrer Daten in dem Land, in dem dieses Forum gehostet wird, zustimmen.
Kommentar