hatte heute mit einem LiPobrand (Ursache: Technikfehler) und einem 450er Absturz (Ursache: ßbermut) schon einen schlechten Tag - aber die Krönung war folgendes Erlebnis: neuer 800er kippt beim Failsafe Test vor dem ersten Flug schnell über Roll nach rechts und ruiniert alle Blätter und DFC-Anlenkung.
Ich habe dann mit den Freiflieger-Kollegen vor Ort das Thema ein wenig genauer betrachtet - und dabei sind wir auf eine interessante Denksportaufgabe gekommen.
Zuerst mal die Konfiguration: HeliChris Rex 800 Stretch, Scorpion HKIII 4035, Fusion (Roxxy) 120 Opto, CC Pro BEC direkt an 2*6s 5.000 mAh, Graupner HV TS Servos, Futaba BLS 251 Heckservo, GR-16 RX, HoTT mx-12 TX, 3GX FBL, DFC-Kopf
Hier ein paar Testergebnisse: Reichweitentest: 60+ Meter (sehr gut!), RX-Q: 10 ms, RX-V: 5,1V konstant, alle anderem Telemtriewerte ohne Befund.
Und jetzt der Vorgang:
A. Failsafe geproggt wie folgt: Pitch (-12°), Nick (0°), Roll (0°), Heck (0°) und Motor (Aus) auf "POSITION" (d.h. bei Graupner HoTT, der Sender speichert einzelne Knüppelpositionen exakt so wie während der Programmierung für den Failsafe Modus), 25 mSek.. Helistrom Aus, Helistrom An, System initialisiert; Pre-Flight-Check FBL-Wirkrichtung ok, Failsafe Test (Funke aus mit laufendem Motor) erfolgreich bis auf Problem des negativ Pitch (hätte man sich denken können)
B. Failsafe neu geproggt; alles wie oben außer Pitch (0°), wieder alle Servos und Regler auf "POSITION". Helistrom Aus, Helistrom An, System initialisiert; Pre-Flight-Check FBL-Wirkrichtung ok, Failsafe Test (Funke aus mit laufendem Motor) mit folgendem Ergebnis: Motor Aus, Heli kippt unmittelbar nach Motor Aus schnell nach rechts über Roll (Ergebnis siehe oben).
C. Test wiederholt ohne Blätter und Rotorkopf; kein Pre-Flight-Check (da keine Rotorblätter/Kopf); Motor Aus funktioniert, aber TS kippt wie bei B. bei Failsafe vollständig nach rechts. Das heißt, die geproggte Neutralstellung des Rollknüppels aus Vorgang B. wurde nicht umgesetzt (Bedienungsfehler beim Proggen ausgeschlossen, da Rollknüppel selbstneutralisierend).
D. Neu geproggt mit identischer Neutralstellung aller Knüppel; kein Pre-Flight-Check (da keine Rotorblätter/Kopf); Failsafe Test mit Ergebnis Motor Aus, alle TS-Servos mit 0°, Heckservo dito. also exakt wie gewünscht!
Was schließen wir daraus?
1. Failsafe Test IMMER OHNE BLßTTER (spart Geld, ist zwar banal, habe ich aber nicht bedacht)
2. Risiko: Es gibt einen uns/mir bisher nicht gegenwärtigen Zusammenhang zwischen Failsafe und dem FBL-System. Er wird IN KEINEM MEINER HANDBßCHER (Graupner, 3GX, MicroBeast, Align) auch nur mit einem einzigen Wort erwähnt. Egal wie ich die Failsafe Position der TS-/Heckservos programmiere (bei Graupner: HALT oder POSITION), das FBL "macht sein eigenes Ding" und übersteuert in bester Absicht, den Heli in irgendeiner Lage zu halten/zu bringen die Failsafe-Vorgaben des Senders.
Unsere/meine Vermutung ist, dass das FBL-System durch den Pre-Flight-Check (Kippen des Helis nacheinander über alle Achsen und Gier) falsch orientiert bzw. mit falsch interpretierten Informationen versorgt wird, die es dann während des Failsafe proggen über den Empfänger schickt. Dort werden dann unsinnige Werte für alle TS-Kanäle, die mit POSITION geproggt sind, abgespeichert.
Logische Schlussfolgerung: Entweder die TS- und Heckservos mit "HALT" (letzte Steuerposition halten) programmieren und hoffen, dass das dann im Ernstfall schon passt, oder vor/während des Proggens den Heli nach Initialisierung absolut unbewegt lassen, um die Steuerimpulse verlässlich zu proggen.
Das klingt alles recht einleuchtend. Aber von alleine kommt man nicht unbedingt darauf, da das Problem nicht offensichtlich ist. Habe mich selbst mehrere Stunden wegen schlechter Erfahrungen an anderer Stelle mit Failsafe auseinandergesetz, glaubgte diese superkritische Thema vollständig begriffen zu haben und habe das Problem dennoch nicht gesehen. Das nennt man versteckte Komplexität.
Die Moral von der Geschicht: traue keinem Handbuch nicht!!! Es klingt vielleicht ein wenig hart. Aber im Vergleich zu professionell arbeitenden Software- oder Technik-Unternehmen im B2B-Sektor haben wir es nach meiner Einschätzung mit unseren B2C-Haus- und Hofherstellern immer noch mit liebenswerten und sicherlich auch sehr bemühten Bastelstuben zu tun.
Wie lange kann das in einem rasant wachsenden "Breitensportsegment" ohne Blessuren gutgehen?
Was ist Eure Meinung? Habt Ihr andere Erfahrungen und/oder Analysen zum Thema Failsafe?
Viele Grüße
Peter


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