Gestern habe ich den wohl bisher heftigsten Adrenalinschub während des Helifliegens erlebt.
In und um Köln war herrlichstes Flugwetter, sogar meine Frau wollte mich begleiten, 4 Akkus waren vollgeladen und das Selbstvertrauen nach dem letzten Crash nahm auch so langsam wieder Formen an. Kurzum: perfekte Bedingungen um dem Flugplatz einen Besuch abzustatten.
Beim zweiten Akku ist es dann passiert: das Heck ließ sich nicht mehr richtig steuern, reagierte kaum bis gar nicht auf Steuereingaben. Zunächst hatte ich mein GY401 in Verdacht - vielleicht hatte es den letzten (und bisher ersten Crash) doch nicht so einfach verdaut!? Also schnell den Entschluß gefasst: runter mit der Kiste solange sie nicht komplett außer Kontrolle ist. Leider war ich in einer, für mich, recht großer Höhe von ca. 30m unterwegs und so betete ich daß ich den Heli während der nächsten Minute unter Kontrolle behalten würde.
Ich hatte gerade den Sinkflug eingeleitet da ging er los, der Brummkreisel. Schön - so schnell kann man also Pirouetten an den Himmel zaubern - sah richtig toll aus da oben gegen den strahlend blauen Himmel. Im Geiste verabschiedete ich mich bereits von dem Modell als mir ein Kumpel zurief: "Motor aus!".
Erst dachte ich noch: "Na nu, ob das hilft? Ist doch kein CP der beim Absturz auf diese Weise weniger Schaden erleidet." Dann fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren: "Klar - Autorotation!".
Hey - das kannte ich doch - allerdings leider nur aus der Theorie oder von flugshows wo das ganze immer ganz simpel aussah. Aber die Entscheidung, ob ich totalen Bruch baue oder mir wenigstens noch eine geringe Change einräumen soll fällte ich innerhalb einer Sekunde. Der Heli drehte dort oben noch eine weitere, gefühlte Sekunde seine Pirouetten bis ich endlich den Motor-Aus-Schalter gefunden hatte. Auf dem Weg dorthin legte ich allerdings noch zahlreiche andere Hebelchen um welche ich, Gott-sei-Dank, mit keiner Funktion belegt hatte.
Als daraufhin die Drehzahl des Rotors mit sehr hoher Geschwindigkeit abnahm und der Heli sich im gleichen Maße mit der Erdanziehungskraft anfreundete kam mir in den Sinn, den Blattanstellwinkel negativ zu stellen. Mein Glück daß ich in IdleUp2 war - in IdelUp1 hätte der negative Anstellwinkel wahrscheinlich kaum ausgereicht.
Und -wuuusch- drehte der Rotor hoch, die Sinkflugrate verlangsamte sich und der Zeitpunkt der Landung rückte ein wenig langsamer näher. Aber: wann sollte ich jetzt positiv Pitch geben? Ich wußte, ich hatte nur einen Versuch. Andererseits war ich bereits zu diesem Moment erleichtert da es so gut wie sicher war daß meine Maschine zumindest keinen Totalschaden erleiden würde und so reagierte ich intuitiv und relativ gelassen.
Mit einem satten "THUMP" setzte meine Echse schließlich auf der Wiese auf. Augenzeugenberichten zufolge sogar mit der Nase zu mir - somit war dies nicht nur meine erste Autorotation sondern gleichzeitig die erste Nasenlandung.
Gelitten haben nur die Heckrotorblätter weil sich die Heckfinne ca. 1,5cm in die weiche Wiese gebohrt hat und die Blätter somit an die Blatthalter schlugen. Aber die 16€ war mir der Kick allemal wert. Ansonsten: Starrantrieb, Heckrohr - nach der ersten Sichtprüfung scheint alles in Ordnung zu sein.
Die Ursachenforschung ließ mich rot werden vor Scham: wie konnte ich nur meinen treuen GY401 verdächtigen? Ich selber war's der den Fehler gemacht hat - an einer nicht gerade unwichtigen Stelle des HeRos Loctide vergessen (siehe Bild).
Also - falls Euch mal was ähnliches passiert wünsche ich Euch, daß Ihr ebenfalls jemanden in der Nähe habt der geistesgegenwärtig genug ist, Euch auf die Alternativen zum Totalcrash hinzuweisen. Ich bin meinem Kumpel auf alle Fälle ein paar Bierchen schuldig.
Andererseits gilt natürlich: mit genug Sorgfalt beim aufbau wäre mir diese AuRo komplett erspart geblieben.Viele Grüße,
Thomas






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