Angeregt durch den Fred "Motor abmagern, aber richtig" habe ich einige Lexikonartikel über Verbrennungsmotoren gelesen. Ziel ist es zu verstehen, was passiert, wenn ich den Motor einstelle und was eigentlich dabei optimiert werden soll. Ich hoffe, dass ich alles verstanden habe und die richtigen Schlüsse ziehe. Bleibt noch die Frage, wie ich "idiotensicher" den Zustand des Motors erkenne

OK, hier nun meine Zusammenfassung:
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Erreicht werden soll bei einer optimalen Einstellung ein möglichst hoher Verbrennungsdruck kurz nach dem oberen Totpunkt des Zylinders. Dazu muss
* das Sprit/Luftgemisch rechtzeitig zünden
* das Sprit/Luftgemisch mindestens stöchiometrisch (ausreichend Sprit enthalten um den Sauerstoff komplett zu verbrauchen) sein
* das Sprit/Luftgemisch möglichst stark verdichtest sein
* die Verbrennungstemperatur möglichst hoch sein
Leider müssen aber noch einige Randbedingungen erfüllt werden, die bezüglich der obigen Punkte zu Kompromissen zwingen:
* eine klopfende Verbrennung muss vermieden werden. Klopfende Verbrennung meint: Die Verbrennung beginnt nicht (nur) an der Glühkerze sondern spontan und zufällig sonstwo im Brennraum, bevorzugt an heißen Stellen: verschiedene aufeinandertreffende Verbrennungsfronten sorgen dann für schädlich große und hochfrequente Zylinderdruckschwankungen
* der Motor darf nicht so heiss werden, dass er kaputt geht (Verklemmen oder schmelzen von Bauteilen)
Die letzten beiden Punkte lassen sich vermeiden, wenn man den Motor kalt hält, z.B. indem
* der Motor fett läuft und durch die Verdunstung des Kraftstoffs gekühlt wird
* man die Verdichtung herabsetzt
* das Sprit/Luftgemisch später zündet und ein Teil dadurch erst im Auspuff verbrennt
Aber:
* der höchste Verbrennungsdruck darf auf keinen Fall vor dem oberen Totpunkt des Zylinders erreicht werden, sonst läuft der Motor rückwärts bzw. arbeitet gegen die Schwungmasse und zerstört sich so auf Dauer mechanisch
Der Zündzeitpunkt wird bestimmt durch
* den Wärmewert der Glühkerze (je wärmer, desto früher)
* den Nitromethangehalt (je mehr, desto früher)
* das Gemisch (je fetter desto später)
Daraus schließe ich, das man den Vergaser so fett einstellen muss, dass der Motor schön gekühlt wird und dann für eine rechtzeitige Zündung sorgen muss, indem man eine passende Glühkerze bzw. passenden Nitromethananteil im Sprit wählt. Dabei ist zu beachten, das der Zündzeitpunkt nur für eine bestimmte Motordrehzahl optimiert werden kann, da es von der Zündung bis zum Druckaufbau immer gleich lange dauert, aber der Zylinder unterschiedlich lange braucht, bis er den oberen Totpunkt überschritten hat.
Leichte Korrekturen des Zündzeitpunkts sind dann noch durch die Einstellung des Gemischs möglich. Auch eine Glühelektronik ermöglicht die Beeinflussung (Verschiebung nach "früher", das Gemisch kann dann z.B. fetter bleiben) der Zündung.
Ungünstige Vergasereinstellungen können folgende Effekte hervorrufen:
zu fett:
* die Glühkerze geht aus und es wird garnicht mehr gezündet
* es entsteht ein nicht mehr zünd*fähiges* Gemisch (obere Explosionsgrenze)
zu mager:
* es wird kein ausreichend hoher Verbrennungsdruck erreicht
* es entsteht ein nicht mehr zünd*fähiges* Gemisch (untere Explosionsgrenze)
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CU Guido


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