Motor wickeln Align RCM BL 750 MX

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  • Helicop74
    Junior Member
    • 30.11.2016
    • 4
    • Marc

    #1

    Motor wickeln Align RCM BL 750 MX

    Hallo, ich bin neu hier und hätte mal einige Fragen zum Wickeln von Motoren.
    Ich habe einen Align RCM BL 750 MX, 450KV. Er soll mit 12S an einem ice2 120HV betrieben werden. In diesem Forum habe ich bereits sehr viel erfahren, dennoch bleiben für mich einige Fragen offen.
    1: welchen Querschnitt soll ich verwenden (ich hätte ihn original betrieben, aber wenn ich schon neu wickeln muss...da ich ihn zerstört habe)?
    2: wie wirkt sich das auf die Stromaufnahme aus. Ist der 120A Regler ausreichend, wenn ich dickeren draht nehme?
    3: ist es wichtig, jeden Zahn (Hammer) von innen nach außen zu wickeln?
    4: muss Isolierpapier verwendet werden und später isoliert werden (Spray)?

    Achja....was ich vergessen hatte. Der Draht bestand aus 9x0,3mm Einzeldrähten. Klugerweise hab ich vom Abwickeln ein Video gemacht. Dummerweise war die Kamera aus. Ich bin mir nicht sicher ob 5+5 oder 5+6 drauf war.
    Kann mir da wohl jemand helfen?
    Besten Dank.
  • kloÃ?
    Member
    • 15.05.2012
    • 683
    • Horst
    • Fliegerklub Flugzeugwerft Dresden e.V.

    #2
    AW: Motor wickeln Aling RCM BL 750 MX

    Moin,

    wenn du nicht sicher sagen kannst, welche Windungszahl original auf dem Stator war, musst du nach folgendem Schema vorgehen:

    1. Firma in deiner Nähe suchen, die Elektromotren wickelt oder repariert. Dort kommst du am schnellsten, einfachsten und billigsten an wirklich hochwertigen Lackdraht in verschiedensten Durchmessern. Besorg dir dort für den Anfang Drähte mit 0,85 mm und 1,32...1,4 mm Durchmesser, jeweils 200...300 g.

    2. Mit dem dünnen Draht (0,85 mm) machst du eine Probewicklung auf den Stator. Die Anzahl der Windungen ist im Prinzip egal (außer das in jedem Slot natürlich die gleiche Anzahl an Drähten liegen muss), die Verschaltung auch (also ob Stern, Dreieck oder was auch immer). Wenn es im Original entweder eine 5+5 oder 5+6 Wicklung war, würde ich auf jeden Zahn 5 Windungen machen. Alle von innen nach außen gewickelt, damit es einfacher und schneller geht.

    3. Wicklung verschalten (Stern oder Dreieck ist wie gesagt egal; ich mache es immer im Stern, weil ich es bequemer finde), sicherheitshalber noch mal auf Statorschluss prüfen, auch wenn wegen dem dünnen Draht keinerlei Probleme zu erwarten sind, Motor zusammen bauen und an einem beliebigen (möglichst nicht so teuren) Regler bei relativ kleiner Spannung und vollgas laufen lassen. Ich nehme dazu immer einen 3S oder 4S Lipo, je nach dem was gerade rum liegt. Bei dem Probelauf misst du entwerder direkt die KV mit einem entsprechenden Messgerät (gibts für schmales Geld beim Hobbykönig), oder du misst GLEICHZEITIG die Spannung und die Leerlaufdrehzahl des Motors. Dazu kannst du z.B. ein Telemetriesystem wie das Unisens nehmen, oder du klemmst ganz profan ein Multimeter mit an den Akku (z.B. am Balanceranschluss). Die Drehzahl kannst du messen, indem du mit einem schwarzen Edding zwei dicke Streifen gegenüberliegend auf die Rotorglocke malst und dann mit einer starken Taschenlampe auf die Glocke leuchtest. Dann kannst du die Drehzahl mit einem ganz normalen optischen Drehzahlmesser messen.

    4. Aus Spannung und Drehzahl rechnest du dir die spezifische Drehzahl der Probewicklung aus. Mit dem Dreisatz und den bekannten Umrechnungsfaktoren zwischen Dreieck, Stern, Doppelstern und Doppeldreieckschaltung kannst du dir dann leicht ausrechnen, welche Windungszahl und Verschaltungsart du brauchst, um den Motor neu zu wickeln.

    5. Lade dir das Programm Drive Calculator herunter (Drive Calculator ). Hauptsächlich ist das für die Antriebsauslegung und -simulation für Flächenmodelle gedacht. Im Menü "Werkzeuge" gibt es aber auch das Tool "Wire & Stator Calculator". Dort kannst du die geometrischen Daten des Stators sowie die geplante Drahtdicke eingeben und das Programm berechnet dir sofort die mögliche Anzahl an Windungen, die du mit dem gewählten Draht auf dem jeweiligen Stator unter bringen kannst und wie lang der Draht pro Phase wird. Wenn man die gemessenen Statormaße alle so auf- bzw. abrundet, dass der Wickelraum etwas kleiner angegeben wird als er tatsächlich ist, kann man da auch ruhig an die Grenze gehen. Wenn das Programm also sagt, dass 5+6 Wicklungen mit 1,4 mm Draht rein passen, dann passt das auch locker rein.

    6. Motor mit der berechneten Windungszahl und dem berechneten Drahtdurchmesser neu wickeln. Falls das dein erstes Wickelprojekt ist, musst du mit dem Drahtdurchmesser nicht unbedingt an die Grenze gehen. Wenn das Programm also sagt, dass 1,4 mm rein passen, nimm fürs erste trotzdem ruhig "nur" 1,32 mm Draht. Der wickelt sich nämlich um Welten leichter als dickerer Draht und die Wahrscheinlichkeit einen Stator- oder Wicklungsschluss zu fabrizieren sinkt dramatisch. Eine erhebliche Verbesserung gegenüber der Serie erreichst du selbst damit spielend. Wenn die Originalwicklung wirklich nur aus 9x 0,3 mm Lackdraht bestand, ergibt das einen Gesamtquerschnitt von gerade mal 0,64 mm². Lackdraht mit 1,32 mm Durchmesser, der bei dem Stator auf jeden Fall passen sollte und sich noch ziemlich gut wickeln lässt, bietet schon stolze 1,36 mm² Querschnitt, also mehr als das Doppelte was schon eine dramatische Verbesserung wäre. Außerdem verbleibt bei dünnerem Draht zwischen den Wicklungen mehr Luft, was sich positiv auf die Kühlung auswirkt.

    7. Beim und vor allem nach dem Wickeln alles noch mal gründlich auf Stator- und Wicklungsschlüsse überprüfen und wenn alles in Ordnung ist, den Motor zusammen bauen und noch mal probe laufen lassen. AUF JEDEN FALL den gleichen Regler wie bei der Probewicklung verwenden. Wenn die KV im gewünschten Bereich liegt, Antrieb wieder einbauen und fliegen gehen.

    Ob du die Wicklungen von innen nach außen oder von außen nach innen machst, ist grundsätzlich vollkommen Bockwurst. Du wirst im Gegenteil gar nicht darum herum kommen, benachbarte Zähne abwechselnd zu wicklen. Der Motor muss im AabBCcaABbcC Schema bewickelt werden, also immer abwechselnd im und gegen den Uhrzeigersinn und immer die gleiche Phase auf zwei benachbarte Zähne. Wenn du die immer alle von innen nach außen wickeln wölltest, müsstest du nach jedem Zahn mit dem Ende der ersten Wicklung immer wieder quer durch den Wickelraum zum Fuß des benachbarten Statorzahns gehen. Der ßbergang zwischen den Zähnen wäre also immer im Weg und würde unglaublich viel Platz verschwenden. Besser ist es, den ersten Zahn von innen nach außen zu wickeln. Du landest dann am äußeren Radius des Stators und kannst auf direktem Weg schräg rüber zum nächsten Zahn, den du von außen nach innen wickelst. Du musst die Wicklung dann zwar immer unter dem ßbergang durchfädeln, verschenkst aber keinen unnötigen Platz und landest mit dem Ende der Wicklung auch gleich wieder am inneren Radius des Stators, was einen möglichst kurzen ßbergang zur zweiten Gruppe ermöglicht. Für die Probewicklung gillt das aber wie gesagt nicht. Da ist es besser, alle Zähne von innen nach außen zu wickeln, weil der Platz mehr als ausreicht und es einfach wesentlich schneller geht, da das Durchfädeln entfällt.

    Um deinen Regler musst du im Normalfall keine Angst haben. So lange du die KV nicht änderst und das restliche Setup (Zellenzahl, Ritzel, Drehzahl etc.) gleich lässt, sollte sich an der Stromaufnahme nicht viel ändern. Durch die Verwendung dickeren Drahtes senkst du den Innenwiderstand des Motors, d.h. er wird drehzahlsteifer. Durch den dickeren Draht kann mehr Strom fließen, was das Drehmoment erhöht. Das zeigt sich aber normalerweise nur bei hoher bis sehr hoher Last. Wo der Antrieb also bisher mit der Drehzahl eingebrochen ist, wird er nach dem Wickeln deutlich souveräner durchziehen und die Drehzahl besser halten. Das kann mit einer höheren Stromaufnahme einher gehen, tritt aber wie gesagt nur bei sehr hoher Belastung auf.

    Was die Isolierung angeht: Wenn das grüne Isolierzeug auf dem Stator noch i.O. ist, brauchst du keine weiteren Maßnahmen ergreifen. Sollte es stellenweise beschädigt sein, so das das blanke Eisen des Stators zum Vorschein kommt, musst du handeln. Isolierpapier oder Kaptonklebeband macht sich da ganz gut. Ersteres gibt es beim Motorwickler (am besten gleich ein Stück mitgeben lassen, wenn du den Draht holst), letzteres ist über den Fachhandel erhältlich, z.B. von Kontronik. Fixieren musst du die Wicklung nicht unbedingt, das macht es nur komplizierter, falls du irgendwann mal wieder dran musst.

    Sollten noch Fragen offen sein, frag ruhig noch mal nach.

    Grüße, Hagen
    Der Modellflug ist der Amboss, auf dem die Speerspitze der Evolution geschmiedet wird

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    • Nikom Nam Un
      Member
      • 01.11.2013
      • 828
      • Robert
      • Udon Thani, Thailand

      #3
      AW: Motor wickeln Aling RCM BL 750 MX

      Zitat von kloß Beitrag anzeigen
      Bei dem Probelauf misst du entwerder direkt die KV mit einem entsprechenden Messgerät (gibts für schmales Geld beim Hobbykönig)
      Wie nennt sich dieses Messgerät?
      LG
      Robert
      I'm not insane, my mother had me tested!

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      • kloÃ?
        Member
        • 15.05.2012
        • 683
        • Horst
        • Fliegerklub Flugzeugwerft Dresden e.V.

        #4
        AW: Motor wickeln Aling RCM BL 750 MX

        Das Ding nennt sich KV Meter und anscheinend gibt es zwei neue Versionen des Gerätes:

        KV/RPM Meter
        K2 kv/rpm Meter with Motor Speed Adjustment

        Besonders interessant finde ich die zweite verlinkte Version, da man damit keinen Empfänger respektive Servotester mehr braucht, um den Antrieb zu vermessen.

        Grüße, Hagen
        Der Modellflug ist der Amboss, auf dem die Speerspitze der Evolution geschmiedet wird

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        • Nikom Nam Un
          Member
          • 01.11.2013
          • 828
          • Robert
          • Udon Thani, Thailand

          #5
          AW: Motor wickeln Aling RCM BL 750 MX

          Danke Hagen, dank deiner Hilfe habe ich sogar noch eine neuere Version gefunden, um weniger Geld:

          AEO-K3-Brushless-Motor-KVRPM-Meter-Tester
          LG
          Robert
          I'm not insane, my mother had me tested!

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          • Helicop74
            Junior Member
            • 30.11.2016
            • 4
            • Marc

            #6
            AW: Motor wickeln Aling RCM BL 750 MX

            Hallo, ich bin schwer beeindruckt von der ausführlichen Beschreibung, die mir jegliche Fragen beantwortet hat. Ich hatte blöderweise schon angefangen, bevor du geantwortet hattest, somit habe ich es leider nicht ganz so gemacht, wie du es beschrieben hast. Ich habe die Probewicklung nicht gemacht (nicht gewusst). Ich habe mir 1,32mm Draht besorgt und wie du für die Probewicklung beschrieben hast, gewickelt. Habe allso im- und gegen Uhrzeigersinn, jedoch alle von innen nach außen gewickelt (ohne durchfädeln). Dann habe ich eine Isolationsprüfung gegen die Phasen und gegen den Stator gemacht. Dann habe ich noch bissel Isolierungslack dazischen gesprüht, damit sich nichts mehr bewegen kann und gestern Abend habe ich zusammengebaut. Heute will ich noch einen Isolationstest machen um sicherzugehen, dass beim Zusammenbau nichts passiert ist. Jetzt kann ich nur hoffen, dass am Ende die Drehzahl einigermaßen hinkommt, ansonsten kann ich nochmal üben.

            Besten Dank für die ausführliche Beschreibung und die dafür aufgewendete Zeit.

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            • Helicop74
              Junior Member
              • 30.11.2016
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              • Marc

              #7
              AW: Motor wickeln Aling RCM BL 750 MX

              Wie kann ich hier ein Bild hochladen? Dann könnte ich das Ergebnis präsentieren.
              Und sorry für die Rechtschreibfehler, die sich bereits in der ßberschrift eingeschlichen hatten. Ist das korrigierbar?
              Ich habe das mit dem Handy gemacht.

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