dieser Thread ist eigentlich ein Ergebnis der Diskussion zum Innenwiderstand mit Hennes alias Hero67 im Thread Akzeptabler Widerstand bei Lipos?. Er hat dort den Innenwiderstands eines Lipos über den maximalen Strom, wie er sich aus der Kapazität des Lipos und seiner C-Rate ergibt, und dem tolerierbaren Spannungseinbruch bestimmt, für welchen er Werte von 0.3 V und 0.4 V vorschlug:
R_i = U_tol /( Kapazität * C-Rate)
R_i: Innenwiderstand des Lipos
Kapazität: klar
C-Rate: klar
U_tol: tolerierbare Spannungseinbruch
Diese Formel eignet sich nicht für genaue Bestimmungen des Innenwiderstand, da man die tolerierbare Spannung ja nur mutmassen kann. Aber man kann sich fragen welchen Wert für U_tol man den "am Besten" nehmen sollte um zumindest einen "möglichst guten" Schätzwert für den Innenwiderstand zu bekommen.
Nun, genau dieser Frage bin ich nach gegangen, und da der einzige verlässliche und umfangreichere Datensatz den ich kenne der von Gerd Giese ist (http://www.elektromodellflug.de/), habe ich die dort zu findenden Werte in eine Tabelle übernommen und weiter "verwurstet". Ich habe allerdings nicht alle verfügbaren Daten genommen, sondern "nur"
Datensatz #1: Alle Lipos die auf seiner "neuen" Webseite unter Akku Test->Lipo zu finden sind (also ohne die unter "weitere"). Anzahl: 39
Datensatz #2: Alle Lipos die auf der "alten" Webseite unter Top News zu finden sind (erreicht man über Akku Test->Lipo->weitere). Anzahl: 50
Datensatz #3: Alle Lipos die auf der "alten" Webseite unter ßlter als sechs Monate zu finden sind (erreicht man über Akku Test->Lipo->weitere). Anzahl: 88
Insgesamt sind das also 177 Lipos, da lassen sich eventuell statistische Aussagen schon treffen (1/sqrt(N)=7.5%). Die Einschränkung auf diese Lipos habe ich nicht nur aus Faulheit gemacht, sondern auch weil ich mir dachte das es wenig Sinn macht "alte" Lipotypen mit heranzuziehen. Zunächst hatte ich Datensatz #1 ausgewertet, das Ergebnis ist in den folgenden vier Bilder gezeigt:

Oben links sind zunächst die aus den tatsächlich von Gerd gemessenen Innenwiderständen und vom Hersteller angegeben Kapazität und C-Rate über die obige Formel bestimmten U_tol gezeigt. Man erkennt einen "wilden" Haufen der ungefähr durch eine konstante tolerierbare Spannung beschrieben werden kann. Die Verteilung der so ermittelten U_tol ist oben rechts gezeigt. Es sieht so halbwegs Gauss-förmig aus, mit einem Mittelwert für U_tol von 0.502 V. Die Verteilung ist allerdings auch recht breit. Ich habe nun daraus den Fehler beim Innenwiderstand bestimmt, welchen man mit der Annahme von U_tol = 0.5 V im Vergleich zum echten Innenwiderstand machen würde; die Verteilung ist unten links zu sehen, und der summierte Fehler unten rechts.
Was sagt uns das? Nun, nimmt man einen Wert von U_tol = 0.5 V an, und bestimmt über die obige Formel den Innenwiderstand, dann ist der so erhaltene Wert für R_i in 70% der Fälle genauer als 40%. Das gilt natürlich nur für den Datensatz #1, und (nur) wenn dieser "repräsentativ" wäre würde sich das Ergebnis auf unbekannte Lipos übertragen lassen.
Um nun ein Gefühl dafür zu bekommen wie repräsentativ dieser Befund ist, habe ich die gleiche Analyse auch für die Datensätze #2 und #3 durchgeführt. Ich will nur die Verteilungen der U_tol zeigen:

Diese Verteilungen sind schon recht "lustig". Bemerkenswert ist das für alle drei der Mittelwert sehr nahe an den 0.5 V ist, obwohl die Verteilungen ja schon sehr unterschiedlich aussehen: die Erste ist breit, die Zweite nach rechts und die Dritte nach "links" verzogen. Das deutet an dass der Wert U_tol = 0.5 V recht zuverlässig zu sein scheint. Die Verteilung für die neueren Messungen u./o. neueren Lipos ist deutlich breiter als für Datensatz #2 und #3. Warum das so ist weis ich natürlich nicht, aber man kann daraus bereits ersehen das sich, wenn man nun alle Daten zusammen auswertet, ein "besserer" Fehler ergeben wird.
Und genau so ist das auch, das Ergebnis der Auswertung für alle Daten zusammen ist in den folgenden vier Bildern gezeigt:

Die Erklärung was die einzelnen Bilder zeigen kann ich mir sparen, ist wie oben. Interesant ist jetzt nur dass die Verteilungen durchwegs schärfer sind als für den Datensatz #1 alleine, und dementsprechend ergibt sich auch eine schärfere Aussage zum Fehler:
Nimmt man einen Wert von U_tol = 0.51 V an, dann ist der über die obige Formel bestimmte Innenwiderstand R_i in 80% der Fälle genauer als 20%.
Wieder gilt das natürlich nur für den gewählten Datansatz. Leider bin ich kein grosser Statistiker und kann die eigentlich interessante Frage, welche Aussage man mit welcher Wahrscheinlichkeit für einen unbekannten (nicht im Datensatzt enthaltenen) Lipo treffen kann nicht beantworten. Vielleicht kann das ja jemand von Euch. Aber ich denke das Bisherige gibt einem zumindest schon ein ganz gutes Gefühl dafür wie genau der über die obige Formel bestimmte Wert des Innenwiderstands sein wird.
Man kann mit der obigen Formel und U_tol = 0.5 V einen Schätzwert für den Innenwiderstand des Lipos aus der angegebenen Kapazität und C-Rate bestimmen. Der so bestimmte Innenwiderstand wird aber in der Regel (nur) eine Genauigkeit von 20-40% haben.
Tja, das war's eigentlich schon. Wer sich die zwei gezeigten Bilder für die tolerierbaren Spannungen anschaut, der wird natürlich sofort sehen das der Trend des "wilde" Haufens besser durch eine Gerade als durch einen konstanten Wert für U_tol beschreiben wird; U_tol ist bei kleinen Werten von Kapazität*C-Rate systematisch kleiner als bei hohen Werten. Eine bessere Schätzformel wäre also z.B.
R_i = U_tol /( Kapazität * C-Rate) * ( 1 - a * Kapazität * C-Rate )
Das probiere ich dann bei Gelegenheit mal aus.
Cheers, Olli






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