1. Problemaufriss: Die Probleme des Master CP
2. Lösungsskizze: Umbau des F49-Chassis auf "Walkera Master-CP49"
3. Offene Fragen und Probleme, Ausblick
= 1. Problemaufriss: Walkeras Master CP - Ein fragiler Heli mit gutem Flugbild =
Tag zusammen.
In meinem letzten Thread (F49 - Viel Fliegen für wenig Geld) wurden verschiedene Möglichkeiten besprochen, um den sagenhaft robusten F49 von MJX durch einige Umbauten zu einem noch zuverlässigerem, leiseren und agilierem FP-Heli zu machen. Trotz aller Umbauten bleibt der F49 natürlich ein Flybar-FP mit allen Nachteilen dieses Systems. Der Umstieg auf den Walkera Master CP, der als "Klassiker" für den kleinen Geldbeutel gilt, lag daher nahe.
Der Master CP bietet indes Vor- und auch Nachteile. Zwar ist das Flugverhalten hervorragend, aber drei Dinge lassen die Master-CP-Piloten regelmäßig schimpfen:
- Throttle reagiert mit 1-2 Sekunden Verzögerung, was bei einem Crash erhebliche Schäden erzeugt! Mit dieser Macke des Master CP hat Walkera - pardon - wirklich Bockmist gebaut; es gibt sogar eine Petition der User an Walkera, diesen Bug gefälligst zu beheben. Denn geht beim MCP etwas schief, wälzt sich der Kleine auch gerne mal noch 2 Sekunden mit Vollgas auf dem Boden. Dabei werden TS, Blätter und Haube regelrecht zertrümmert. Auch wenn man seine Ersatzteile bei Banggood bestellt, wird das auf die Dauer sehr teuer. Der CP braucht also einen Not-Aus (Emergency-Stop), um binnen 1/2 Sekunde komplett aus zu sein.
- Verschleißteile wie das Hauptzahnrad, Servos etc sind von mittelmäßiger bis mieser Qualität und außerdem schweineteuer. Die Servos haben derart viel Spiel, dass ein vernünftiges Trimmen kaum möglich ist; auch flammneue Servos haben rund 1mm Spiel! Das HZR ist nur halb so dick wie das HZR vom F49 und kostet trotzdem das vierfache.
- Das Chassis ist aus recht sprödem, leicht zerstörbarem Material. Wenn sich der CP dann (dank Receiver-Bug) auf dem Boden herumwirft, sind Stangen, Gehäuseteile etc. schnell ramponiert. Das dies deutlich besser lösbar ist, hat MJX mit dem F49 bewiesen.
Insgesamt entstand so schnell der Wunsch, das Beste vom F49 und dem Master CP in einem Heli-System zu vereinen. Daraus ist das nachfolgende Umbauprojekt entstanden: Die Kombination des unglaublich robusten von F49-Chassis mit dem bereits am F49 verbesserten Antrieb - und den erheblich besseren Steuerteilen des Master CP! Ich habe das Produkt dieses Kleinprojekts als Master-CP49 bezeichnet.
= 2. Lösungsskizze: Umbau des F49-Chassis auf "Walkera Master-CP49" =
2.1 Antrieb: Achse, HZR, BL-Motor
Die Achse vom F49 hat 6mm außen, 4mm Innendurchmesser. Die Achse vom Master CP hat 4mm. Das HZR vom F49 lässt sich also problemlos auf der 4mm Achse nutzen, wenn man ein Stück der F49-Achse als Reduzierhülse nutzt. Wem die Originalachse vom CP zu kurz ist, kann eine der hochwertigen Fischertechnik-Stangen aus Silberstahl nutzen, die ebenfalls exakt 4mm dick sind. Die Bohrungen lassen sich mit etwas Feingefühl auf der Ständerbohrmaschine anfertigen.
Damit das obere Kugellager passt, kommt auch oben ein abgesägtes und entgratetes Stück F49-Achse auf die 4mm Stange. Etwas Sekundenkleber sichert die Hülse gegen Verrutschen.

Der Turnigy-BL-Motor 2632 3400KV vom F49-Umbau kann weiterhin genutzt werden; auch der ESC-Regler von Hobbywing für 10 Euro ist weiter nutzbar. Ebenso kann das alte Carbonstahl-Motorritzel mit M0.6 und Z14 auf dem Motor bleiben. Da der Receiver von Walkera blöderweise nur ein PWM-Signal ausgibt, wird ein PWM2PPM-Konverter benötigt, der rund 15 Euro kostet. Der Konverter kommt in den THR-Slot am Receiver, das ESC wird an den Konverter gesteckt. Ich rate von den Fertig-BL-Sets ab, die für den CP auf Banggood und Co angeboten werden, weil sie den sperrigen, schweren alten Brushed-Konverter weiterhin erforderlich machen.

2.2 Taumelscheibe, Servos
Ich habe den CP gebraucht von einem (offensichtlichem Stümper-)Piloten aus Mettman gekauft, der zweifellos mehr Geld als Hirn (und beides zu wenig) hatte. Auf dem CP waren bereits eine Alu-TS und ein Alu-Rotorkopf montiert.
Die TS wird am Master CP von drei Servos WK 7.6-9 angetrieben. Wie erwähnt, sind auch diese originalen Metall-Servos recht unpräzise. Sie wurden beim Umbau durch die sehr preiswerten und erstaunlich guten Digitalservos "TowerPro SG92R Mini Micro Servo 9g 2.5kg" ersetzt, die im Viererpack für rund 10 Euro bei Banggood zu haben sind. Stabile Servoarme liegen den Servos bei, die Kugelköpfe und Gestänge habe ich vom alten Master CP übernommen.

Das dritte Servo (ELEV) benötigt einen zusätzlichen Einbauplatz auf der rechten Seite vor dem AILE-Servo. Auch für dieses Servo habe ich mit einem 3,5mm-Bohrer entsprechende Slots in die Grundplatte gebohrt und nachgefeilt. Um das ELEV-Servo besser unter die TS platzieren zu können, musste ein Teil der Versteifung der Rotorachsengehäuse mit dem Teppichmesser und Stecheisen entfernt werden. Zum Schrauben gab es für dieses Servo nichts - darum habe ich das ELEV-Servo mit Heißkleber direkt an Grundplatte und Achsengehäuse geklebt. Das hält sehr (!) gut. Die hinteren Servos liegen jetzt nebeneinander an der Mittellamelle des Gehäuses. Sie sind ebenfalls in die Grundplatte eingefräst und werden mit einem Kabelbinder fixiert. Auch das hält sehr gut.
Die TS-Führung habe ich vom CP genommen und auf einen ausgekerbten Bereich der Mittellamelle verschraubt. Die Länge der Führung reicht dafür völlig aus.

2.3 Heckrotor, Akku
An meinem F49 war bereits das W6004-Brushless-Kit verbaut, das mit einem speziellen ESC für PWM-Signalquellen geliefert wird. Denn auch das Receiverboard für den F49 liefert lediglich ein PWM-Signal, mit dem unsere normalen ESCs leider nichts anfangen können. Leider arbeitet der Master-CP mit einem 3S-Lipo, sodass wir den W6004-Regler hier nicht nutzen können. Zwei Lösungen bieten sich an:
2.3a) Der Heckmotor des CP wird an das F49 Chassis angebaut. Dann lässt sich auch der CP-Brushed-Regler weiternutzen, ohne dass weitere Teile gekauft werden müssen. Dann braucht man aber eine neue Heckstange. Ich habe hier ein 8mm-Rundholz aus Kiefer genutzt, weil das Material leicht und biegsam ist. Das Heck passt stramm auf das Rundholz, aber am CHassis fehlen 2 Millimeter. Zwei Stück Schrumpfschlauch lösen das Passungsproblem jedoch perfekt. Die Stange bitte so lang bemessen, dass der voll aufmontierte "Master-CP49" damit absolut korrekt ausbalanciert ist. Ich nutze übrigens die Akkus "Zippy compact 1000mAh 35C" von Hobbyking. Die 25C-Akkus von Zippy haben sich nicht bewährt, weil sie zu warm werden.
2.3b) Alternativ zum CP-Heck kann man auch das W6004-Heck nutzen. Dafür braucht es aber wieder einen PWM-zu-PPM-Wandler wie den EA-048 Konverter, der an den Gleichstrom-Ausgang des Brushed-Reglers geklemmt werden muss. Achtung, der EA-048 verträgt maximal 10 Volt. Wer ein paar Euro mehr ausgeben will um das Teril zukünftig auch woanders nutzen zu können, kauft lieber gleich einen besseren Wandler.
2.4 Setup
Im Sender habe ich mit dem UP-02-Adapter die Einstellungen des CP auf einen neuen Platz mit dem Namen CP49 kopiert. Die Trimmungen etc. wurden resettet und die TS mit einer Lehre (einem Zahnrad von Fischertechnik) exakt einjustiert.
Wichtig war mir, einen NOT-STOPP für den CP49 zu haben. Dazu wurde das ESC wurde auf Sanftanlauf programmiert und die Bremse aktiviert. Im Sender wurde für THR-HOLD hinterlegt, dass THROTTLE Null ist und Pitch auf 100% liegt. Dadurch steht der Rotor in nichtmals 1/2 Sekunde. Die Restenergie des Rotors wird so in Schubkraft umgewandelt.
Weil im ESC die Bremse aktiv ist, einsteht auf glatten Böden (Turnhalle) manchmal eine kurze Eigendrehung bei Abschalten von THR. Damit kann ich aber leben.
Das Video hier zeigt die Einstellungen am Heli "in Aktion".
= 3. Ausblick, offene Fragen =
Diesen Punkt lasse ich zur Diskussion offen.



Ordentliche Servos rein und das wars


Kommentar