Mini-Boy Blattspurlauf

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  • Jan M.
    Jan M.

    #1

    Mini-Boy Blattspurlauf

    Hallo Oldie-Spezialisten,
    hier ist er nun,mein fertig restaurierter Mini-Boy mit kollektiv Pitch.
    Aber: Der Blattspurlauf läßt sich nicht befriedigend einstellen.
    Frage:Ist radiales Spiel der geteilten Blattlagerwellen normal??Am Blattende gemessene 5mm,auf beiden Seiten gleich.Axial Null Spiel.
    Ich spreche nicht von der zentralen Rotorkopf Dämpfung.
    Die Rotorblätter sind einwandfrei.Der Blattabstand zum Tisch ist ebenfalls exakt gleich....
    Bitte um Stellungnahme.
    Gruß
    Uli
    Angehängte Dateien
  • Martin Greiner
    Senior Member
    • 08.06.2001
    • 5091
    • Martin

    #2
    AW: Mini-Boy Blattspurlauf

    Hallo Jan,

    was für (Baumarkt-)Schrauben hast Du denn da am Kopf verbaut?
    Ich könnte mir vorstellen dass das keine Schaftschrauben sind und nur ein Gewinde auf voller länge haben. Wenn dem so ist wäre es wiederum möglich, dass die Blattgrifflager in den Rotorseitenteilen sich bewegen können - was Spurlaufprobleme erzeugen kann.

    Wäre mal mein (erster) Ansatzpunkt.
    GruÃ? Martin

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    • WGS
      WGS
      Member
      • 15.09.2010
      • 675
      • Wolfgang

      #3
      AW: Mini-Boy Blattspurlauf

      Hallo Uli,

      Zitat von Jan M. Beitrag anzeigen
      Aber: Der Blattspurlauf läßt sich nicht befriedigend einstellen.
      Frage:Ist radiales Spiel der geteilten Blattlagerwellen normal??Am Blattende gemessene 5mm,auf beiden Seiten gleich.Axial Null Spiel.
      da bist Du wohl auf das zentrale Problem dieses Rotorkopfes aufgelaufen, das einem damals den Umgang mit dem System 80 verleidet hat:

      Die Blatthalter besitzen innen ein Radiallager (was o.k.ist, solange es fest auf der Blattwelle sitzt), aussen aber nur ein Nadellager, das direkt auf der ungehärteten Blattwelle läuft und dort nach schon kurzer Betriebszeit beginnt, zunehmend "einzulaufen", wodurch in gleichem Maße zunehmend das beobachtete Spiel den Blattspitzen entsteht.

      Die gute Nachricht: Während dieser Umstand beim "großen" System '80 echte Probleme mit sich brachte, bis zur Unfliegbarkeit nach relativ wenigen Betriebsstunden, hat das beim Mini-Boy ebenso wenig gestört, wie beim Super-Heli-Baby.

      Voraussetzung ist allerdings, dass die Blattaufhängungen auf beiden Seiten wirklich symmetrisch sind bezüglich Leichtgängigkeit (unter Fliehkraft) und vor allem Geometrie der Blattanlenkungen. Da die Blattverstellhebel aus weichem Stahlblech bestehen und auf die Blattwellen nur aufgenietet sind, verbiegen sie sich bei einem Crash in jede denkbare Richtung, und dann ist die Symmetrie im Rotorkopf natürlich dahin.

      Bei einer Restauration dieses Systems gehört es daher unbedingt dazu, die Blattaufhängungen komplett zu zerlegen, die Radiallager (die gleichzeitig auch als Axiallager "missbraucht" werden) zu überprüfen und neu zu fetten und ebenso die Nadellager, vor allem deren Laufflächen, auf den Blattwellen zu untersuchen. Die Nadellager sind in jedem Fall dabei neu zu fetten; die Laufflächen auf den Blattwellen dürften zwar in die Welle eingelaufen sein, sie müssen jedoch glatt sein, ohne Grate und Dellen von einzelnen Nadeln. So etwas kann man bis zu einem gewissen Grad herausschleifen, meist ist bei solchen Defekten aber die Blattwelle mit Hebel und Radiallager auszuwechseln.
      Auch muss überprüft werden, ob die Vernietung der Blattverstellhebel auf den Blattwellen noch wirklich fest ist.
      Beim Zusammenbau der beiden Blattaufhängungen muss unbedingt darauf geachtet werden, die Adapter- "Aluklötzchen" unter Zugabe von hochfestem Locktite auf die Blattwellen aufzuschieben (aufzupressen) und dort mit den M3-Schrauben zu fixieren.
      Dann legt man die beiden fertig zusammengebauten Blattaufhängungen neben einander, über einander und sich gegenüberstehend so auf eine ebene Tischplatte, dass man die räumliche Geometrie der Blattverstellhebel überprüfen kann: Wenn die Blattaufhängungen direkt neben einander liegen und die Adapterklötzchen dabei (zu einander parallel) auf einer gemeinsamen Leiste aufliegen, müssen die Enden der Blattverstellhebel absolut gleiche Abstände von der Tischplatte haben. Sollte das nicht der Fall sein, muss der verbogene Hebel zurechtgebogen werden.
      Welcher der beiden Hebel verbogen ist, kann man ermitteln, indem man die Blattlagerwellen (in der beschriebenen Anordnung der Blattaufhängungen) um 180° dreht: Die Hebel liegen jetzt auf der anderen Seite der Aufhängungen und ihre Enden sollten etwa den gleichen Abstand zur Tischplatte haben, wie zuvor. Sind die Abstände extrem unterschiedlich zwischen den beiden um 180° versetzten Positionen, ist dieser Blattverstellhebel verbogen und muss gerichtet werden.
      Im Wechsel dazu werden bei neben einander liegenden Blattaufhängungen die Blattwellen um 90° so gedreht, dass jetzt die Hebel nach oben stehen, während die Adapterklötzchen mit ihren Schmalseiten auf einer untergelegten Leiste parallel aufliegen: Auch jetzt müssen die Enden der Hebel gleiche Abstände von der Tischplatte haben.

      Erst wenn beide Blattaufhängungen so überprüft wurden, kann man den Kopf wieder zusammenbauen. Dabei muss dann noch darauf geachtet werden, dass die an die Blattverstellhebel angeschraubten Mischhebel von oben gesehen wirklich parallel zu den Rotorkopf-Seitenplatten stehen.

      Wenn diese Voraussetzungen der Symmetrie und gleichen Leichtgängigkeit gegeben sind, ist der Mini-Boy bezüglich der Spurlaufeinstellung eigentlich recht anspruchslos: Einmal eingestellt, habe ich damals über Jahre hinweg nie wieder etwas nachstellen müssen.

      Allerdings solltest Du uns vielleicht noch schreiben, wie genau sich Deine Probleme mit dem Spurlauf äußern: Tritt der Spurlauffehler bei unterschiedlichen Pitchwerten unterschiedlich auf, oder verändert sich die Einstellung schlagartig (und dann so bleibend), oder wie müssen wir uns das vorstellen?

      Die Antwort auf Deine Frage lautet jedenfalls kurz: Ja, es ist normal, dass die Blattenden in Schlagrichtung deutliches Spiel aufweisen.

      @Martin: Wenn Du die vernickelten Schrauben (M3/M4) in den Blattwellen meinst: Das ist schon o.k. so, das sind auch im Original keine Schaftschrauben.
      Grüsse
      Wolfgang

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      • Roger
        Roger

        #4
        AW: Mini-Boy Blattspurlauf

        Hi Uli,
        Wolfgang hat ja schon alles gesgt...
        Ich hatte auch schon ausgeschlagene Lagerböcke so dass das ganze Kugellager im Alugehäuse Spiel hatte.
        Mit 2 neuen Nadellagern und Kugellagern wird das besser, aber schau mal ob du geschraubte oder genietete Blatthebel hast.
        Die gingen als mal los, und schon war das Blattspurlauf Problem da...
        Ich hab meine alle an der Welle fest geschweisst.

        P.S. Schöner Sender, der beste den ich je hatte ...
        SSM Contest Set so um 1978, schon mit GE Sinterzellen schnelladefähig 995 DM (!)
        Fliegt heute noch...

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        • htto
          Member
          • 02.06.2004
          • 174
          • torsten

          #5
          AW: Mini-Boy Blattspurlauf

          Man da werden Erinnerungen wach. Mit genau so einem habe ich das fliegen gelernt. Ohne Kreisel mit 4 Kanal anlage Simprop SSM 2-4.
          Toll! Sieht schön aus dein MiniBoy. Ich tippe auch auf die vernieteten Blatthebel.

          Gruß
          Torsten

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          • Jan M.
            Jan M.

            #6
            AW: Mini-Boy Blattspurlauf

            Guten Morgen Zusammen,
            vielen Dank für Eure Antworten ich hoffe ich kann damit das Problem lösen.Der Mini-Boy und ein original Heim Star Ranger sollen in Nürnberg beim Oldie Treff fliegen und nicht rumstehen.
            Ich habe wenig Zeit und werde mich erst am Monats Ende damit beschäftigen können.
            Nur der Motor,die Servos und das 401 sind neu.Der Rest ist alt.
            Also nochmal herzlichen Dank.
            Gibt es die Blattlagerhalter und wellen eigentlich noch irgendwo*
            Danke
            Uli

            Kommentar

            • lateralus
              lateralus

              #7
              AW: Mini-Boy Blattspurlauf

              Hi,

              als weitere Möglichkeit möchte ich noch eine zu hohe Systemdrehzahl
              und einen an beiden Blatthaltern ungleich voreingestellten Konuswinkel
              als mögliche Ursache in den Ring werfen.

              Aufgrund fehlender Axiallager ist mir der Original Bell222-Kopf zu Beginn
              während des Erfliegens der Gaskurve bei Drehzahlen oberhalb 1500 1/min am
              Kopf wiederholt einseitig "eingefroren",was Blattspurdifferenzen von bis zu
              geschätzten 25 cm (!) nach sich zog.

              Ich weiß jetzt, dass man die Blattspur in solch einem Fall durch das
              "Wackeln" des Pitchknüppels um die 0° Pitch- Lage sogar im Flug wieder
              resetten kann- liegt wohl an dem Umstand, dass ich zuvor die 1500 1/ min
              am Kopf bei genau dieser Knüppelstellung voreinstellen konnte und dass
              die Radiallager bei dieser Drehzahl wieder zum Drehen ermuntert werden können.

              In Deinem Fall wird es sicherlich auch ein Drehzahllimit geben, aufgrund der
              leichteren Blätter wird dieses aber nicht zwangsläufig bei 1500 1/min liegen.

              Ich habe mich dazu entschieden, den HeliStar-Kopf zu verbauen, da dieser
              Axiallager besitzt, habe allerdings auch nicht das Bestreben, mich mit
              meiner Schlüter Bell222 bei einem Oldie-Treffen blicken zu lassen.

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              • WGS
                WGS
                Member
                • 15.09.2010
                • 675
                • Wolfgang

                #8
                AW: Mini-Boy Blattspurlauf

                Hallo,

                die geschilderten Probleme treten aber nur bei den "großen" Modellen (Bell 222, System'80) auf, nicht beim Mini-Boy.

                Das ist, nebenbei bemerkt, auch der Grund, weshalb ich selbst keine System'80-Bell222 wieder aufbauen werde, sondern das aus dieser Serie - neben dem Mini-Boy - einzige wirklich brauchbare Modell, den Heli-Star.
                Im Heli-Star, der quasi den Abschluß der System'80 Phase darstellt, wurden nahezu alle Probleme beseitigt, die einem zuvor den Umgang mit den System '80-Modellen verleidet haben, eine so großen Anzahl Umbauten erforderlich gemacht hatten, wenn man diese Modelle ernsthaft einsetzen wollte und letztlich auch so viele Heliflieger in jener Zeit zum Umstieg auf andere Systeme bewogen haben.

                Damals habe ich mich auch gewundert, aber es ist tatsächlich so: Der Bell 222-Rotorkopf, der nach kurzer Zeit auf den 60er-Helis nur noch Probleme machte, hat auf dem Mini-Boy problemlos funktioniert, ohne dass ich, auch nach langer Betriebszeit, irgend etwas auswechseln musste.
                Grüsse
                Wolfgang

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                • Michael Vogler
                  RC-Heli TEAM
                  • 24.05.2006
                  • 4685
                  • Michael
                  • im Verein, Wild und viel in Kärnten ;-)

                  #9
                  AW: Mini-Boy Blattspurlauf

                  Ich habe mich dazu entschieden, den HeliStar-Kopf zu verbauen, da dieser
                  Axiallager besitzt, habe allerdings auch nicht das Bestreben, mich mit
                  meiner Schlüter Bell222 bei einem Oldie-Treffen blicken zu lassen.
                  Hallo Christian,

                  warum denn nicht, dann hast Du eben einen Tuningkopf drauf - so eng darf man das auch wieder nicht sehen.


                  Was mich wundert sind die beschriebenen Probleme mit dem System 80 Kopf.

                  Ich habe gestern meine Bell 222 eingeflogen, die hat auch reichlich Spiel an den Lagern (bisher zu Faul zum auswechseln) trotzdem war der Spurlauf einwandfrei.
                  Geflogen ist sie wie an der Schnur gezogen - ich kann mich nicht beklagen.

                  Meine SX-81 fliege ich seit 3 Jahren mit diesem Kopf, - ohne Probleme oder irgendwelchen Schwierigkeiten.
                  Zuletzt geändert von Michael Vogler; 17.01.2011, 08:54.

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                  • lateralus
                    lateralus

                    #10
                    AW: Mini-Boy Blattspurlauf

                    Hi,

                    auch wenn im Oldie-Forum im Vergleich zu anderen Unterforen eine relativ
                    geringe Anzahl von Beiträgen gepostet wird heißt das nicht automatisch,
                    dass es hier deshalb wenig zu lesen geben würde.

                    Hier der Beweis:

                    Die beschriebenen Probleme basieren wohl auch auf potenziellen Fehlerquellen,
                    die dieser Rotorkopf bereits konstruktiv mit sich bringt und welche daher auch
                    durch einen an sich peniblen Aufbau nicht ausgeschlossen werden können.

                    Der an der Werkbank voreinzustellende Konuswinkel der Blätter sollte ja
                    möglichst den Wert aufweisen, welcher sich im Betrieb resultierend aus
                    Auftriebskraft und Fliehkraft ergibt.
                    Mal angenommen man schafft es, für beide Blätter den gleichen, jedoch zwangsläufig
                    theoretischen Winkel einzustellen.
                    Ist es dann sicher gegeben, dass man auch tatsächlich den effektiv aus beiden
                    Kräften resultierenden Winkel trifft?
                    Liegt man daneben, wird zwangsläufig eine der Kräfte konstant am voreingestellten
                    Wert zerren bzw. zusätzlich die Blätter und somit auch Lager belasten.

                    Erschwerend kommt ja bekanntlich auch noch hinzu, dass die Blattspitzen der leichten
                    und im Vergleich zu GFK oder gar CFK ummantelten Exemplaren weniger biegesteifen
                    Holzblätter aufgrund ihrer Individualität auch nach einer geglückten Konuswinkel-
                    voreinstellung im Betrieb durchaus unterschiedliche Kreisbahnen einnehmen können.

                    Wir kennen den Trick, selbstklebende Aluminiumfolie anstatt normaler Bespannfolie
                    zum "Ummanteln" der Holzblätter zu verwenden, da diese den eben beschriebenen,
                    materialbedingten Ausprägungsgrad einzudämmen vermag.

                    Ich habe mir letztes Jahr die Frage gestellt, wie ich dieses Problem in Verbindung
                    mit fehlenden Drucklagern, "weichen" Blattverstellarmen und einer im Vergleich
                    zum heutigen Standard durchaus spielbehafteten Anlenkung lösen soll und bin zu
                    dem Schluss gekommen, dass ich durch viel Probieren durchaus kleine Erfolge erzielen
                    könnte.
                    Doch noch bevor es dann eigentlich losging verlor mein Hauptzahnrad zwei Zähne,
                    kurz danach lief mir eine Helistar Mechanik über den Weg.

                    Ein Zeichen!?

                    Wie ich seit gestern weiß hat deren über den Winter restaurierte Kopf in Verbindung
                    mit steifen 550er NHP CFK-Blättern tatsächlich all meine Rotorkopfsorgen
                    auf einen Schlag gelöst- na hoppla, man hat also auch einmal Glück.

                    Mag man es nun als eine Flucht vor dem Ausprobieren der Lösungsansätze zum
                    Verbessern des Verhaltens des Originalkopfes, vorzeitige Kapitulation oder
                    Angst vor der Aufgabe aufgrund unzureichender Praxis mit dieser Mechanik
                    deuten- man wird in meinem Fall tatsächlich immer irgendwie richtig liegen.


                    Aus meiner Sicht war aber der für die Flugerprobungen zu erwartende Zeitbedarf
                    in Verbindung mit einer zudem "nicht ganz" wartungsfreien Mechanik hauptausschlaggebend
                    für den vergleichsweise einfach umzusetzenden Kopfwechsel.

                    Kommentar

                    • WGS
                      WGS
                      Member
                      • 15.09.2010
                      • 675
                      • Wolfgang

                      #11
                      AW: Mini-Boy Blattspurlauf

                      Hallo,

                      das eigentliche Problem dieser Konstruktion liegt darin, dass bei dem zwangsläufig immer stärker werdenen Spiel der (ungehärteten) Blattwellen in den Nadellagern die Schlagbewegungen der Rotorblätter zunehmend einem negativen Delta-3-Effekt unterliegen: Schlägt ein Blatt nach oben, kippt die Blattwelle um das hintere (Radial-)Lager, wodurch sich der Blattverstellhebel nach unten bewegen will, aber gegen das Anlenkgestänge nicht kann: Also erhöht sich der Blattwinkel zusätzlich, jede Schlagbewegung wird dadurch noch zusätzlich verstärkt. Da die seinerzeit verwendeten Original-Rotorblätter nicht schwerpunktkorrigiert waren und damit stark "schwanzlastig", richteten sie sich mit mehr oder weniger Vorlauf aus, wodurch die Blattspitzen instabil liefen und versuchten, jeden Anstellwinkel zu vergrößern, sowohl in positive als auch in negative Richtung. Bei niedrigen kollektiven Einstellwinkeln und überlagerten zyklischen Steuerbewegungen neigen die Blattspitzen dann zum "Springen" über den 0-Durchgang, was dann selten synchron und gleichmäßig erfolgt.
                      Grüsse
                      Wolfgang

                      Kommentar

                      • lateralus
                        lateralus

                        #12
                        AW: Mini-Boy Blattspurlauf

                        Na,

                        das nenne ich mal sehr informativ.

                        Ich meine sogar es verstanden zu haben, bin aber wohl jetzt nicht der Einzige,
                        der gerade mit dem Originalrotorkopf der Bell 222 herumgespielt hat.


                        Es gibt ja nun den "normalen" Pitchkopf mit indirekt über die Paddelstange
                        angelenkten Blattverstellhebeln und die Option, durch die Montage des
                        "Erweiterungssatzes für Kunstflug" eine anteilig direkte Anlenkung der
                        Blätter über die Taumelscheibe zu erhalten.

                        Zwei Verständnisfragen:


                        1)
                        Der von Dir beschriebene Effekt müsste ja bei beiden Varianten auftreten, da jetzt
                        lediglich zwei Gestänge den Blattverstellarm über den zusätzlichen Mischhebel stützen.
                        Ich schreibe "müsste", weil ich es hier nicht nachvollziehen kann.
                        Der so ausgestattete Originalkopf meiner Bell hat nämlich bisher per Auge nur sehr wenig
                        Spiel innerhalb der Nadellager und rein gedanklich kriege ich das mit den
                        Hebelverhältnissen am zudem demontierten Rotorkopf einfach nicht hin.

                        2)
                        Müsste man bei beiden Ansteuervarianten und einem sich an seinem Anlenkpunkt
                        zumindest anteilig über das Gestänge zur Pitchbrücke (lt. Anleitung ja Mischhebel
                        genannt) "festhaltenden" und somit durch das Spiel im Lager ausgelenkten
                        Blattverstellarm nicht zusätzlich mit einem ebenfalls ungewünschten Moment
                        auf die Paddelebene rechnen?
                        Im Gegenzug müssten schwerere Paddel den von Dir beschriebenen Effekt dann
                        ja eher verstärken.

                        Mir fällt im Nachhinein nur auf, dass ich im letzten Jahr erstaunt war, wie
                        zickig mein Modell (ohne Tariergewichte und mit den leichten sowie schmalen
                        "F-104"-Paddeln) doch auf Nick und Roll war.

                        Ist echt interessant.

                        Kommentar

                        • WGS
                          WGS
                          Member
                          • 15.09.2010
                          • 675
                          • Wolfgang

                          #13
                          AW: Mini-Boy Blattspurlauf

                          Hallo,

                          ja, der beschriebene Effekt tritt unabhängig davon auf, ob die sogen. "Kunstflug-Mischhebel" montiert waren, oder nicht. Seine Stärke ist lediglich davon abhängig, wie stark die Nadellager in die Blattwellen einlaufen, also wieviel Spiel entsteht.

                          Eigentlich läßt sich das recht gut veranschaulichen, wenn man eine Blattaufhängung allein betrachtet. Es entsteht ein zweiarmiger Hebel: Drehpunkt ist das Radiallager der Blattwelle, nach der einen Seite steht das Rotorblatt, nach der anderen eben der Blattverstellhebel. Hebt man das Blatt an, bewegt sich der Hebel anf der anderen Seite nach unten; kann er das nicht, so dreht sich die Blattwelle und verstärkt den Anstellwinkel, wenn der Blattverstellhebel vor dem Blatt läuft. Wenn der Blattverstellhebel hingegen hinter dem Blatt laufen würde, ergäbe das eine Selbstregelung nach dem Delta-3-Effekt: Das Blatt hebt sich und wird aber in seinem Anstellwinkel reduziert, so dass der Aufwärtsbewegung entgegengewirkt wird. Daher bezeichnete ich das Problem als "Negativen Delta-3-Effekt", weil der Bewegung nicht entgegengewirkt sondern sie verstärkt wird.

                          Die anderen beobachteten Effekte hast Du eigentlich schon richtig zugeordnet: Es ist eben eine grobe Vereinfachung, wenn man annimmt, dass die Paddelstange den Hauptrotor ohne dessen "Gegenwehr" steuert, also ohne Rückwirkungen. Die Kraft, die der Paddelstange zum Steuerung zur Verfügung steht, bezieht sie allein aus ihrer Kreiselenergie und der aerodynamischen Wirkung der Steuerflügel. Auf der anderen Seite steht der Hauptrotor: Wieviel Kraft aufgewendet werden muss, um die Rotorblätter im Flug in einem bestimmten Anstellwinkel zu halten bzw. sie periodisch, mit der zyklischen Steuerung, einen bestimmten Einstellwinkelbereich durchlaufen zu lassen, hängt von vielen Faktoren ab.
                          Im Idealfall liegen Auftriebsmittelpunkt, Schwerpunkt und Drehpunkt des Rotorblattes auf einer Linie, dann lässt es sich unter Rotation weitgehend momentfrei über den sinnvollen Einstellwinkelbereich verstellen mit lediglich einer geringen Tendenz, gegen 0° Einstellwinkel zu laufen. "Schwanzlastigkeit" des Blattes führt dagegen einerseits zu einer kräftigen Tendenz, von 0° wegzulaufen und gleichzeitig (aufgrund der Fliehkraft) dazu, dass die Blattspitzen vorlaufen, wie beschrieben. Da muss dann auch vom Hilfsrotor mehr Kraft aufgewendet werden, oder er wird seinerseits aus seiner Lage gedrückt. Um das zu verhindern und die Kraft des Hilfsrotors zu vergrößern, kann man 1. das Gewicht der Paddel erhöhen, 2. die Paddelfläche vergrößern, 3. das Paddelprofil verändern und 4. die Paddelstange verlängern.
                          Dann kommen natürlich auch noch simple mechanische Effekte hinzu: Ein Radiallager in der Blattaufhängung auch axial zu belasten funktioniert nur bei sehr gross dimensionierten Lagern im Verhältnis zu relativ geringen Blattfliehkräften, aber eigentlich ist das schon von Anfang an Murks. Die bei Rotation aufgrund der Fliehkraft zunehmende Schwergängigkeit führt unter anderem dazu, dass die Ansteuerung des Rotorblattes von der Taumelscheibe aus verzögert umgesetzt wird (vorn ist dann nicht mehr vorn, sondern mehr oder weniger weit in Drehrichtung versetzt). Auch stimmt jetzt die Geometrie zwischen Hilfsrotor und Hauptrotor (90° zu einander) nicht mehr, was das Rotorsystem dann weit weg von seinem Optimum bringt:
                          Im Idealfall lassen sich die Rotorblätter bei jeder Drehzahl völlig momentfrei steuern, der Hilfsrotor kann, obwohl leicht, den Hauptrotor bei ungewollten Lageänderungen korrigieren und bewegt sich bei gewollten Lageänderungen synchron zum Hauptrotor (selbst bei einer Rolle liegen die Ebenen von Hilfs- und Hauptrotor stets parallel zu einander).

                          Wenn man also im Gegensatz dazu einen Hubschrauber sieht, bei dem schon im Schwebeflug die Hilfsrotorebene einen deutlichen Winkel bildet zur Hauptrotorebene, kann man davon ausgehen, dass dieses Rotorsystem mit erheblichen Problemen zu kämpfen hat.

                          Mit den heutigen Kunststoffblättern ist eine weitgehende Momentfreiheit problemlos zu erreichen, und Drucklager sind auch der Standard; bei den Oldies war das aber noch anders, und die Holzblätter jener Tage waren weit weg vom Optimum. Daher müssen wir uns bei der "Wiederbelebung" dieser nicht optimalen Konstruktionen auch wieder mit den in jener Unvollkommenheit begründeten Problemen herumschlagen.

                          ßbrigens wäre es einmal ein interessantes Experiment, so einen Bell 222-Rotorkopf so zusammenzubauen, dass die Blattverstellhebel nicht vor, sondern hinter dem Blatt laufen und zusätzlich vielleicht die "schwerpunktverbesserten" Rotorblätter (mit dem Stahldraht in der Nase) zu verwenden.
                          Grüsse
                          Wolfgang

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                          • lateralus
                            lateralus

                            #14
                            AW: Mini-Boy Blattspurlauf

                            Hi,

                            ich freue mich ja immer wenn jemand sich die Zeit nimmt Hintergründe zu
                            vermitteln, welche man nicht mal eben "googeln" kann.

                            Zitat von WGS Beitrag anzeigen
                            ßbrigens wäre es einmal ein interessantes Experiment, so einen Bell 222-Rotorkopf so
                            zusammenzubauen, dass die Blattverstellhebel nicht vor, sondern hinter dem Blatt laufen...
                            Auf diesen Punkt habe ich ehrlich gesagt während des Lesens Deines Beitrags
                            gewartet. Vielleicht hat das ja sogar schon einmal jemand gemacht.

                            Hätte ich eine Zweit- oder besser Drittmechanik hier stehen, wäre ich
                            wohl ein Kandidat für solch einen Versuch.
                            Das dieses leider nicht der Fall ist und ich mich derzeit an 10 Minuten mit der Bell
                            wesentlich lebhafter erinnere als an "X" Flüge mit dem Rex, oute ich mich lieber
                            gleich als Angsthasi.


                            Erstaunlich ist es für mich immer noch, warum diese negativen Effekte beim Mini-Boy,
                            dessen Rotorkopf dem der Bell 222 doch sehr "ähnelt", nicht ebenfalls gehäuft
                            auftreten und was Michael mit seinem Bell 222- Kopf anscheinend anders
                            gemacht hat um komplett davon verschont zu bleiben.

                            Kommentar

                            • Michael Vogler
                              RC-Heli TEAM
                              • 24.05.2006
                              • 4685
                              • Michael
                              • im Verein, Wild und viel in Kärnten ;-)

                              #15
                              AW: Mini-Boy Blattspurlauf

                              Erstaunlich ist es für mich immer noch, warum diese negativen Effekte beim Mini-Boy,
                              dessen Rotorkopf dem der Bell 222 doch sehr "ähnelt", nicht ebenfalls gehäuft
                              auftreten und was Michael mit seinem Bell 222- Kopf anscheinend anders
                              gemacht hat um komplett davon verschont zu bleiben.
                              Ich hab eigentlich nichts anderes gemacht als in der Anleitung steht.
                              Vielleicht habe ich nur Glück dass ich bisher verschont geblieben bin, oder mein Kopf ist schon so ausgenudelt, dass sich alles vor lauter Spiel von selber wieder gerade zieht

                              Bei meinem Mini Boy "hängt" die Paddelstange während des Fluges unübersehbar nach Rechts, er fliegt aber ohne jegliche Vibrationen und so sauber dass ich gar nichts zerlegen oder daran rumbasteln will. Der Blattspurlauf ist Messerscharf, besser geht es gar nicht.

                              Die SX fliegt seit 3 Jahren astrein, d.h. die Paddelebene läuft wirklich wie sie soll und alles andere passt auch.
                              Wie sich die Bell 222 entwickelt wird sich zeigen, ich halte Euch auf jeden Fall auf dem Laufenden.

                              Evtl. baue ich am Donnerstag mal einen Kopf so um dass die Anstellhebel wirklich hinten laufen, da habt Ihr mir wieder mal einen Floh ins Ohr gesetzt.

                              Vielleicht kann ich Donnerstag Abend schon berichten.
                              Zuletzt geändert von Michael Vogler; 18.01.2011, 18:57.

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