das eher schlechte Herbstwetter in Mannheim habe ich dazu genutzt,
das Fliegen ein wenig zu reduzieren und die gewonnene Zeit in ein
Paar Veränderungen am Acrobat SE zu investieren.
Damit mich nachher keiner falsch versteht, vorab eines:
Ich finde den SE Spitze und bin von Stefans Qualität und Service
absolut begeistert.
Wenn man den kleinen Vogel aber an bzw. über seine Leistungsgrenze zwingt, dann quittiert das gerne mit einem netten Heckversatz und mit einem hohen Verschleiß am Heckriemen und den dazugehörigen Riemenscheiben. Auch Rotordrehzahlen weit über 2000 RPM nimmt einem das Heck gerne übel, da es dabei bei der noch so kleinsten Unwucht anfängt heftigst zu vibrieren. Spätestens ab 2300 RPM muss das Heck penibel gewuchtet sein, damit es nicht vibriert.
Das Heck immer perfekt zu wuchten und alle Paar Flüge den Riemen und die Riemenscheiben zu wechseln war mir oft genug zu viel Arbeit und ich wollte ein Heck haben, das den Flugleistungen des SE gerecht wird, dabei aber wartungsfrei ist und 1000 Watt Leistung auf den Heckrotor überträgt.
(Die 1000 Watt sind übrigens eine willkürliche Größe, sehr wahrscheinlich täte es auch etwas weniger. Aber so ist es ne runde Zahl; und kann denn Leistung Sünde sein?)
Also ran ans Werk: Ein wenig beim Acrobat Shark und noch mehr beim Logo 600 abgeguckt und schon hatte ich zumindest klare Vorstellungen, wo das Projekt hingehen sollte.
Leider machten mir die Riemenhersteller einen dicken Strich durch die Rechnung. Denn grundsätzlich gibt es -den Riemen- mit der Verzahnung in der Breite und der Länge schon mal gar nicht in Deutschland. Und wenn, dann führt ihn kein Händler oder die Anfertigung einer Kleinstmenge kostet ein Vermögen.
Mir hätte ja schon ein MXL-Riemen genügt, der 4cm länger als der Standardriemen, -Bando 665 MXL-, ist. Dann hätte ich vorne und hinten statt der 18Z/20Z-Scheiben ein Paar Zähne mehr nehmen können, dazu hinten noch eine Anpressrolle montiert, der den Riemen in das 18mm Heckrohr kanalisiert, und mein persönliches Heck wäre fertig gewesen. Aber nen MXL Riemen länger als 665 gibt es nicht, zumindest habe ich keinen entdeckt. Und wenn ich ehrlich bin, dann wollte ich auch ne Verzahnung, die ein bisschen mehr Drehmoment überträgt, als MXL. Ach ja, und Teilungen in Zoll, wo doch die Industrie der ganzen Welt metrische Riemen benutzt, wollte ich auch nicht mehr.
Am liebsten wäre mir ja ein HDT-Riemen der Teilung 3M gewesen, wie wir ihn von der Front des SE kennen, wo er mit 140 Zähnen und 9mm Breite alles an Power unbekümmert an die Zwischenwelle überträgt, was Regler, Motor und Akkus hergeben.
Aber der geneigt Leser wird es bereits erahnen, einen HDT-Riemen mit einer Wirklänge von 1380mm gibt es nicht. Mist. Und überhaupt sind Riemen mit einer Wirklänge von 1380mm selten bis eigentlich gar nicht zu erwerben.
Und wenn es nen passenden Riemen gibt, dann noch lange keine passenden Riemenscheiben im Verhältnis vorne/hinten 9/10. Und passende fertige Riemenscheiben sind ja eh purer Luxus und somit nicht zu kriegen. Also müssen eben Zahnwellen der Länge 140mm herhalten, von denen mach sich ne 6mm-Scheibe abschneidet und durchbohrt.
Was soll ich sagen, nach unendlichem googeln fand ich was Passendes, den 1380 T5 von der Firma Bando. T5 steht dafür, dass es von einem Zahn zum nächsten genau 5mm sind. Damit lässt es sich wunderbar rechnen. Im Gegensatz zu den Riemen mit Zollteilung der Größe XL, die aber fast genau den metrischen T5 entspricht und in vielen Hubis, wie dem Logo von Mikado verbaut ist.
Und wenn das Heck bei den Mikado-Werkspiloten mit XL-Riemen hebt, dann sollte das erst Recht für das Heck des SE gelten, allerdings mit T5 Teilung.
Also habe ich folgendes verbaut:
-1600 T5 Riemen, 6mm
-Zahnwelle T5, 10Z
-Zahnwelle T5, 11Z
-2 Karbonseitenteile des Hecks
-2 Kugellager mit Flansch 4x12x4
-3 Kugelllager 3x7x3
-1 Schraube M3x30
-4 20mm x 0,5mm-Scheiben aus GFK
-2 Distanzbuchsen aus Alurohr
-1 4mm-Stahlwelle, gehärtet
-1 T-Rex-500-Heck mit 4 Radiallagern.
-2 ALU-Heckrohrhalter geschlitzt, vom SE
70.- Euro.
Die Carbon-Teile habe ich mit Corel-Draw konstruiert und mir bei
www.buschflieger.de, die gleich bei mir um die Ecke sind, fräsen
lassen.
Bislang habe ich mit dem Heck 50 Flüge á 5 Minuten absolviert. Die Riemenscheiben weisen an den Zähnen keine Abrundungen auf, der Riemen
selbst sieht zwar gebraucht aus, die Zähne sind aber noch 1A.
Durch die 4mm-Welle und die T-Rex-500-Heckrotorblatthalter samt Steuerbrücke macht das Heck jetzt Hauptrotor RPM > 2500 RPM mit. Der Heckrotor Durchmesser ist von 19,6 auf 21,6mm gestiegen, was erheblich mehr Druck am Heck zur Folge hat.
Das neue SE-Heck macht nun alle erdenklichen Flugmanöver mit, ist verschleißarm und man kann den SE mal eben mit 2500 RPM fliegen, was richtig Laune macht.
Mir ist natürlich bewusst, dass selbst der Orbit 15-10HE an einem SLS 4s 4500mAh 30/55C nur knapp 1000 Watt dauerhaft leistet, die er dafür aber bei 14° Pitch auch noch mit 2050 RPM voll durchzieht. Damit sind selbst übelste Rückwärts-Loopings bei ordentlichem Seitenwind möglich, ohne dass man Angst haben muss, das Heck könnte nicht halten.
Jetzt fehlt mir zum absoluten Glück nur noch ein Regler, der mehr als 130A mitmacht und nicht ohne Vorwarnung im Flug abschaltet��
Frohe Weihnachten
Tom


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