Um andere Spaßgenossen auf ein Leben mit dem Virus vorzubereiten, hier meine Geschichte (evtl. mit einigen Tips für andere Einsteiger). Vorsicht, es wird ein wenig länger:
Angefangen hat es vor ein-zwei Jahren mit einem 100€-Koaxial-Heli von Conrad, ein Reely Lama Irgendwas� wobei "angefangen" der falsche Begriff ist. Das Teil ist maximal 10 mal geflogen, danach Stand es im Regal. Zu simpel, zu schwammig, zu klapperig. Naja.
Etwas später war eine AR.Drone dran. Ein nettes Teil, die eingebaute FPV-Kamera mit ßbertragung zum iPhone ist richtig cool. Aber beim Rumfliegen ist die Drone auch recht gemächlich und die geringe WLAN-Reichweite schränkt den Radius sehr ein - ich habe den EBay-Höchstbietenden damit beglückt.
Das kann ja noch nicht alles gewesen sein, also mal im Internet (sprich: dieses Forum) recherchiert, was ein richtiger Modellflug-Heli ist. Der gefasste Plan: Blade mSR mit ordentlicher Funke (DX6i) besorgen um damit das fliegen zu üben. Danach ein Sprung auf die 450er-Klasse, erst im Simulator, dann in echt. Genau da bin ich jetzt gerade angekommen. Aber der Reihe nach:
Der Blade mSR ist der ideale Heli für die ersten Schritte. Mit etwas ßbung kann schöne Flüge durch die Wohnung starten. Und bis man da ist, verzeiht er die meisten Crashs. Ich habe ihn mindestens 20 mal auf den Boden fallen lassen und Möbel geschrammt. Wenn man rechtzeitig Gas weg nimmt, überlebt er bis jetzt jeden Absturz ohne Schaden. Der Kleine wird mir noch länger Spaß machen.
Zwei wichtige Dinge hat mir der msr fürs Fliegen beigebracht:
1. Orientierung! Die gefürchtete Gehirn-Verdrehung beim Nasenschweben. Mittlerweile fliege ich saubere Rundflüge mit Zwischenlandungen auf Hockern und Bügelbrettern und realisiere die Orientierungänderngen nur noch unterbewusst. Das ist ganz wichtig bei schnellen Korrekturen, wenn die Panik das Denken blockiert.
2. Man muss den Heli kontrollieren. Nicht umgekehrt!
Meine ersten Hüpfer waren grausam anzusehen: Ganz langsam Gas hoch, der Bodeneffekt sorgt für Drift, die Korrekturversuche führen zum ßberkompensieren, also schnell wieder aus�
Irgendwann lernt man dann, das ein Helikopter dann am sichersten fliegt, wenn drumherum viel Luft ist und genug Power zum korrigieren übrig ist. Wenn ich jetzt dem Fernseher zu nahe komme, ziehe ich Gas hoch und korrigiere mit kurzen aber kräftigen Roll/Nick-Eingaben.
Zusätzlich zum msr habe ich mit der DX6i im Simulator geflogen (heli-x reiht völlig aus), um ein Gefühl für Collective-Pitch-Flieger zu bekommen. Das ist noch mal eine ganz andere Nummer, aber nach ein paar Stunden klappte auch das ganz gut. Selbst Flips und Rolls hauen schon hin (im Sim, nicht in echt!).
Vor zwei Wochen habe ich dann einen T-Rex 450 Pro Super Combo bestellt. Eigentlich sollte es erst ein günstiger, gebrauchter Klon von Ebay werden. Aber irgendwie wollte ich dann doch lieber von Anfang an selber Bauen, Einstellen und mich nicht mit möglichen Wehwehchen eines günstigen Gebraucht-Helis rumschlagen.
Also keine halben Sachen, der T-Rex 450 Pro:
Der Aufbau hat knapp drei längere Abendsitzungen gedauert, inkl. einem zuerst falsch zusammengeschraubten Rotorkopf (der Pitch ging genau verkehrt rum, was viel Kopfkratzen verursacht hat) und zwei ausgeleierten Imbussschrauben (einen Schlitz reindremeln, rausdrehen und Schraube wegwerfen). Ich habe die vormontierten Teile noch mal fast komplett auseinandergenommen, um überall Loctite reinzubekommen. Der Rahmen muss sowieso geöffnet werden, damit man die Elektronik und Servos rein bekommt. Am meisten Zeit habe ich mit der Verkabelung verbracht, ich wollte möglichst alle Kabel innen geführt werden. Das Ergebnis sieht man hier: Picasa Web Albums - Gerald Grote - TRex 450 Pro ...
Akkus habe ich für 10€ pro Stück bei Hoobyking geordert. Die richtigen Stecker wird man anlöten müsse: Ich rüste immer alles auf Deans um, die benutze ich auch bei RC-Cars. Ein Lipo-Lader war vorhanden, der nötige Empfänger ist bei der Funke dabei.
Das Einstellen war dank den Videos von heliernst und finless bob (einfach googeln) an einem Samstag getan. Eine Kugelkopfzange ist Pflicht, eine Pitchlehre ist auch nötig.
Gestern ging es trotz mäßigem Wind dann zum Jungfernflug auf den Modellflugplatz. Vorher habe ich mir über eine Einzelmitgliedschaft beim DMFV eine Versicherung besorgt, da ich mich nicht für einen Verein entscheiden wollte (kostet 70€ im Jahr, bis die Karte kommt, braucht es ein paar Tage). Ohne diese Zusatz-Haftpflicht zu fliegen ist nicht erlaubt.
Wegen dem starken Wind, der tagsüber geherrscht hat, war auf dem Platz nicht viel los. Der ist aber gegen Abend deutlich zurückgegangen. Eigentlich hatte ich auf ein Paar Tips von erfahrenen Fliegern gehofft, es waren aber nur zwei Segelflieger da. Gastfliegen war kein Problem, also habe ich mir eine ruhige Ecke gesucht, das Trainingsgestell (einfach zwei Carbonstangen mit Styroporkugeln) angeschnallt und bin losgeschwebt. Das hat erstaunlich gut geklappt! Mit HeadingHold (der Giro hält automatisch die Richtung) stand der Heli sehr stabil, auch die Windböen waren kontrollierbar. Im Normalmodus musste ich das Heckrotor-Gieren etwas trimmen, das ging aber auch ganz gut.
Nach vier Akkus Heckschweben hat mich das Trainingsgestell genervt, weil es stark vibriert hat (Resonanzen). Also habe ich den letzten Akku ohne Stützräder geschwebt, was noch mal stabiler war. Das ßben im Simulator war extrem hilfreich, ich habe mich dadurch gleich auf 2-3 Meter trauen können, anstatt nur über den Boden zu hoppeln.
Ich bin grinsend nach Hause gefahren :-) Leider gibt es keine Fotos/Videos vom Jungfernflug (es fehlte eine Hand). Aber ich werde demnächst mal einen Kumpel mitschleifen, und hier dann auch mit Bild berichten. Wenn nur das Wetter besser wäre!
Das war meine Heli-Lebensgeschichte (ich sagte ja, es wird länger :-). Jetzt ist erst mal üben angesagt. Für den Winter werde ich mir vielleicht noch einen mCP-x zulegen, damit die CP-Skills nicht einrosten. Für irgendwann später schwirrt mir auch noch so ein Mikrokopter im Kopf rum, der muss aber erst mal warten.
Wie man sieht: hoffnungslos süchtig.
Falls es noch mehr Heliflieger in Braunschweig gibt: Man könnte sich gerne mal zum gemeinsamen Fliegen treffen.
Und kennt jemand schöne Plätze zum ungestörten "Wildfliegen" in der Gegend?

Willkommen bei den anonymen Heliholikern


, aber Achtung!!!, es gibt dafür keine Therapie 

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