wie heißt es so schön: Lärm ist das, was andere machen.
Ich bin eigentlich ein eher ruhiger Zeitgenosse, wohnhaft in Randlage in einem Neubaugebiet am Land. Außer dem samstäglichen Rasenmähen, mache ich eigentlich nichts, was meine Nachbarn in ihrer Ruhe stören würde - dachte ich bislang zumindest.
Neulich feierte einer meiner Nachbarn eine Gartenfete. Es ging laut und lustig zu bis 1:30 in der Früh. Wie das bei einem feucht-fröhlichen Zusammensein halt so ist, wird Musik gehört, gelacht, geprostet - kurzum, es wird gelebt und das macht nun mal Geräusche. Mich stört das nicht. Ganz im Gegenteil. Ich lebe ja schließlich unter Menschen und nicht am Friedhof.
Nun habe ich die lautstarke, ausgelassene Feierlaune meiner Nachbarn zum Anlass genommen, so gegen 22:30 einem Bekannten, der zufällig anwesend war, mal meinen Nachtflug-gerüsteten Mini Titan vorzuführen. In der irrigen Annahme, dass sich angesichts der lautstarken Gartenfete, daran nun wirklich keiner stören kann. Der Flug ging im rechten Winkel, weg von Haus und Garten über den freien Acker. Dort hab ich ein paar vorsichtige Runden gedreht (vorsichtig auch deswegen, weil ich mich zum Gespött machen wollte, indem ich das gute Stück in Sichtweite meiner feiernden Nachbarn in den Acker stecke). Ich war noch keine drei Minuten in der Luft (der Timer lief ja mit), da hörte ich eine "Dame" schreien, ich solle sofort landen, oder dürfe man hier niemals schlafen? Und sie würde jetzt augenblicklich die Polizei holen. Noch bevor ich landen und mich umdrehen konnte, war die Furie wieder verschwunden. Wer es war, konnte auch besagter Bekannter nicht erkennen. Ich war so verdutzt, dass ich erstmal brav gelandet bin, meine sieben Sachen zusammengepackt habe und im Haus verschwunden bin. Bei weiterer ßberlegung habe ich mach dann aber geärgert. Warum habe ich auf so einen unhöflichen Menschen überhaupt reagiert? Und wie, um alles in der Welt, hat sie es geschafft in unter 3 Minuten von meinem Hubschrauber im Schlaf derart gestört zu werden, dass sie sich gezwungen sah aufzustehen, sich komplett anzuziehen (das konnte mein Bekannter erkennen), von ihrem Schlafzimmer zur Haustüre zu laufen, hinüber zu meinen Haus zu rennen und dort Alarm zu schlagen? Ich finde, das ist eine beachtenswerte Leistung!
Tags darauf ergaben meine Recherchen des Luftrechts, dass es zunächst mal nicht verboten ist, hinterm Haus mit einem Elektrohubi kleiner 5 kg zu fliegen. Dank exzellenter Positionsbeleuchtung (das kann wohl niemand leugnen, der meinen Mini Titan gesehen hat) darf ich das auch Nachts. Und gefährdet wird, außer ein paar Wühlmäusen im Weizenfeld, auch niemand.
Bleibt also noch Lärmbelästigung. Doch dazu später mehr.
Meine Konklusion war, dass ich mich nicht ins Bockshorn jagen lasse und bei nächster Gelegenheit wieder mal einen Nachtflug wagen werde. Vielleicht klärt sich dann ja auch, wer da so schnell die Nerven verliert. BTW fanden die fetefeiernden Nachbarn (und besonders die Kinder darunter) meine nächtliche Vorführung ganz prima. Wie mir erzählt wurde, haben wohl alle zugeschaut und sich gefreut, gehört haben sie nichts - wie auch.
Gestern (zirka 3 Wochen nach dem oben geschilderten Event) habe ich dann so gegen 21:15 - also noch in der beginnenden Dämmerung - einen 6-Minuten-Flug hingelegt. Aufgrund einiger kleiner Beleuchtungsprobleme erfolgte der zweite Start kurz vor 22:00. Gleiches Szenario, kurz schweben und dann schnurstracks raus, auf den Acker. Nach ziemlich genau 3 Minuten war diesmal eine männliche Stimme zu hören. "Sag mal, spinnst Du jetzt komplett? Soll ich die Polizei holen?" Meine Antwort: "Tu das! Und hau bitte ab!" (Ich mag es einfach nicht, wenn man mich von der Seite anquatscht). Daraufhin kam ein lautstarkes gepoltere, dessen Inhalt ich mir nicht genau gemerkt habe (jedenfalls war es nicht besonders freundlich) in dessen Anschluss ein lautstarkes "Du Depp!" folgte. Ich meinte daraufhin nur "Ja stimmt genau!" (eigentlich wollte ich ja "Du mich auch" sagen, aber ich war ja noch mit dem Hubi beschäftigt).
Wieder habe ich nicht erkannt, wer es war. Der Stimme nach war es keiner der Nachbarn, mit denen ich Umgang pflege. Ich hab den Hubi nach Ablauf der 6 Minuten gelandet und bin rein ins Haus. Mein Sohn lag fernsehend auf der Wohnzimmercouch, das Fenster sperrangelweit zum Garten hin geöffnet. Da das Kleinkind einer Bekannten, die sich auf einem Volksfest in Nähe aufhielt, auf der Couch nebenan schlief, war der Ton des Fernsehers recht leise gedreht. Ich hab Sohnemann gefragt, ob er den Hubi irgendwie als laut empfunden hat. Die Antwort war: "Nein. Bist Du gerade geflogen? Ich habe überhaupt nichts gehört". Unser 4jähriger Besucher schlummerte derweil immer noch friedlich auf der Couch, die einen direkten Blick zum Garten und zum weit geöffneten Fenster bietet.
Ehrlich gesagt habe ich mir keine Sekunde Sorgen gemacht, dass der Kleine vom Surren des Hubis aufwachen könnte, beim lautstarken Gezeter meine Nachbarn hatte ich indes Angst, dass der Kleine aus dem Schlaf gerissen wird und losheult.
Heute früh schließlich erfuhr die Geschichte eine interessante Wendung. Da raunzte der Nachbar, der das Haus gegenüber der Strasse bewohnt meine Frau an, die vom Semmeln holen kam. Dabei stellte sich auch gleich heraus, dass die nette Dame aus der ersten Begegnung seine Frau war. Lustigerweise war er der Ansicht, ich hätte meine Flugübungen direkt vor seinem Schlafzimmerfenster abgehalten (das sich mal eben lockere 30 Meter vom dem ihm nächstliegenden Punkt meiner Flugbahn entfernt befindet - mit einem nicht gerade kleinen, 8 Meter hohen Einfamilienhaus dazwischen). Und fast noch lustiger: Er monierte, ich hätte ihn "Du Depp" genannt - also so ganz nebenbei in völliger Verkehrung der Tatsachen. Mal ganz davon abgesehen, dass der Köt...äh Hund des Nachbarn zu jeder Tages- und Nachzeit durch lange anhaltendes, penetrantes Gekläffe auffällt. Nunja, Lärm ist halt eben das, was andere machen.
Nun hat er meiner Frau gesagt, dass er mich erstmal anzeigen will. Dem sehe ich eigentlich eher gelassen entgegen. Mal sehen, ob er es tatsächlich macht (wovon ich ausgehen muss, weil er schon mehreren Nachbarn wegen irgendwelcher Kinkerlitzchen angezeigt hat). Wird sicher interessant, wie es ausgeht.
Meine Reaktion wird zunächst mal sein, dass ich nun wohl öfter einen kleinen Nachtflug einlege. 22:00 Uhr scheint mir eine gute Zeit dafür zu sein. Da ist es im allgemeinen schön dunkel. Oder, wie würdet ihr reagieren?
Ach ja: Die einzigen Nachbarn, die möglicherweise etwas mehr Lärm abbekommen könnten, nämlich die mit dem an meinen Garten angrenzenden Grundstück, haben mir gesagt, dass sie kein Problem damit haben. Ganz im Gegenteil: Sie finden den leuchtenden Heli am Nachthimmel schön. Und ich bin mir sicher: Sollte es ihnen doch irgendwann auf die Nerven gehen, werden sie mich freundlich darauf hinweisen - wie man das unter zivilisierten Menschen halt so macht.
cu Günter






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